Hiss mit bitterbösen Schunkelliedern

Selbst hartgesottene Ki K-Besucher fangen zu Schunkeln an Von Barbara Rau Lindenber. Schunkeln gehört nicht unbedingt zu den Körperübungen, die man bei Besuchern des Kura Kura in Lindenberg vermuten würde. Die Musiker von 'Hiss' brachten bei ihrem Konzert in Lindenberg selbst hartgesottene Freaks dazu. Eine seltsame Musikmischung, scheinbar nicht zusammenpassende Instrumente und eine Band, die nicht gerade homogen wirkt, können halt auch kuriose Wirkung zeigen. Polka ist der Grundrhythmus der Musik von 'Hiss', die beim Kölner Comedyfestival 2003 auffielen. Polka, ganz traditionell auf dem Akkordeon vom Band-Chef Helmut Hiss gespielt oder rockig auf der E-Gitarre oder auch herzerweichend auf der Mundharmonika oder am besten alles zusammen. Das ließ schnell die Vorstellung von bodenständiger Tanzbodenmusik verschwinden. Böse Zwischenkommentare vom halbseiden wirkenden Helmut Hiss taten ein Übriges, geistige Bilder von der Volksfestpolka zum Verschwinden zu bringen.

Angeblich haben die tapferen Musiker unter Einsatz ihres Lebens von Transsylvanien bis zum Polarkreis den Einheimischen ihre Lieder geraubt und diese gnadenlos in Polkarhythmus gepresst. Tatsächlich ließ sich Traditionelles aus verschiedenen Kontinenten noch heraushören - zwischen 'Hillbilly', jiddischer Melancholie und Böhmerwald war alles vertreten. Was sich aber sehr schlecht heraushören ließ, war der Text. Die Instrumente übertönten häufig den Gesang völlig, was natürlich manchem Lied auch den Witz und mancher Bösartigkeit den Biss nahm. Schade, denn viele dieser Stücke leben ja auch von den unerwarteten rabenschwarzen Wendungen im vermeintlich romantischen Text. Der Tod wird als unausweichliche Folge von Liebe besungen und spielt eine gänsehautproduzierende Rolle in den Liedern. Je rockiger die Musik und je schweißtreibender die Soli wurden, desto mehr stieg die Stimmung im Publikum und in einer Ecke wurden sogar Tanzende gesichtet. Was machte es bei so fetziger Musik schon aus, dass Einlagen, wie die von den frühchristlichen Märtyrern die im Eis sterben mussten, eher zusammenhanglos und überflüssig wirkten. 'Hiss' durfte sich jedenfalls nicht ohne 'Überstunden' davonstehlen.

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