• 14. März 2000, 20:00 Uhr
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Hirschzell hat neue Brücke

Kran hievt Steg über Auen Kaufbeuren (dam)Umzug erfolgreich: Seit gestern sitzt der ehemalige Wertachsteg auf seinen neuen Fundamenten nahe des Bärensee-Kraftwerks. Der Steg dient Fußgängern und Radfahrern nun als Verbindung zwischen Hirschzell und dem Kaufbeurer Süden. Ein Spezialkran hob das Stahlgerippe gestern Vormittag auf die Betonpfeiler.

Gegen 10.30 Uhr legen Arbeiter letzte Hand an und montieren den 40 Meter langen Ausleger des gewaltigen Krans zusammen. 'Das ist der 400-Tonnen-Spezialkran einer Neu-Ulmer Firma', sagt Bauleiter Fritz Bucher vom Bauunternehmen Scheibel. Weil die Wertachauen geschützt sind, hätte ein Kran normaler Größe nicht ausgereicht, um den Steg über die Bäume hinweg auf die Fundamente zu setzen. 'Wir konnten nicht nah genug ans Ufer', erklärt Bucher. Deswegen musste das schwere Gerät eingesetzt werden.

Als sich der Kran gegen elf Uhr langsam aufrichtet, gesteht Bertram Mooser vom leitenden Ingenieurbüro Kolb und Mooser leichte Nervosität: 'Schließlich ist das ein außergewöhnliches Projekt.' Ob der 42 Meter lange und 25 Tonnen schwere Steg in die vorbereiteten Fundamente passe, sei letztlich 'eine Sache von Zentimetern'.

'Besser als Unterricht'

Rund drei Dutzend Zuschauer, einige mit Fotoapparaten, verfolgen das Schauspiel beim Bärensee-Kraftwerk. 'Wenn etwas Technisches passiert, interessiere ich mich einfach dafür. Und so etwas sieht man vielleicht nur einmal im Leben', meint der Hirschzeller Xaver Mörz. Auch die dritte und vierte Klasse der Hirschzeller Grundschule will den Brückenschlag sehen. Der neunjährige Manuel freut sich: 'Deutsch und Mathe fallen jetzt aus. Hier zuzuschauen ist besser als Untericht.'

Um halb Zwöf ist es so weit: Alle Seile sind befestigt, die Winde zieht an und das Stahlgerüst hebt behäbig vom Boden ab, bis es eine Höhe von etwa 20 Metern erreicht. Über die Wipfel der Bäume schwenkt der Steg zur Wertach hin. Dort kommt die 'Luftbrücke' kurz zum Stillstand, bevor der Kran den Steg langsam zu den Fundamenten absenkt. Dort warten auf beiden Seiten des Ufers die Arbeiter, um das Gestänge einzupassen und zu verankern. Alles geht glatt: Um 11.47 Uhr läuft Bauleiter Fritz Bucher das erste Mal von einem Ufer zum anderen.

Derweil fachsimpelen die Beobachter. Zwei ältere Herren wundern sich über die Neigung der Brücke vom rechten zum linken Wertachufer. 'Hätte die Brücke denn nicht gerade gebaut werden können? So kann man ja hier im Winter Schlitten fahren.'

Doch die Neigung hat ihren Grund. 'Das Gelände liegt am rechten Ufer höher. So ergibt sich ein Höhenunterschied von 71 Zentimetern', erklärt Bertram Mooser. Der Ingenieur zeigt sich zufrieden. 'Alles passt haargenau.'

Zum weiteren Vorgehen sagt Mooser, der Stahlträger müsse noch eingegossen werden. Auch Endträger und Geländer fehlen, ebenso der Anschluss an bestehende Wege. 'Das ist noch eine Menge Arbeit. Aber bei guten Wetter könnten wir das in zwei bis drei Wochen schaffen.'

Wann der Steg, der Hirschzell mit dem Kaufbeurer Süden verbindet, offiziell eröffnet wird, steht noch nicht fest.

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