Hindelanger kaufen den Bauernmarkt

Von Barbara Hell Bad Hindelang/Kempten Der neue Besitzer des Bauernmarkts Bad Hindelang ist der alte Geschäftsführer: Vor dem Amtsgericht Kempten ersteigerte gestern Alfred Scholl aus Bad Oberdorf den Gebäudekomplex für 1,7 Millionen Euro. Zusammen mit seinem Bruder will er das Unternehmen betreiben. Über seine konkreten Pläne wollte er gegenüber dem Allgäuer Anzeigeblatt noch nicht sprechen: Die Vorstellungen sind noch nicht klar. Sah es in den ersten Minuten nach der Gebotseröffnung vor dem Vollstreckungsgericht in Kempten so aus, als gäbe es gar keinen Interessenten, stiegen später zwei Bieter in den Ring: Hermann Vieth, Vertreter der Immobilienverwaltungs- und Verwertungsgesellschaft Contor mit Sitz in Hannover, wollte die 2603 Quadratmeter Nutzfläche für 1,6 Millionen Euro erwerben. Kurz vor Ende der Biet-Frist von zunächst einer halben Stunde ging Alfred Scholl auf 1,62 Millionen Euro, sein Gegenspieler erhöhte auf 1,65 Millionen Euro. Daraufhin wurde der Zeitrahmen um eine Viertelstunde verlängert. In einem kurzen Gespräch zwischen den beiden Interessenten auf dem Flur spielte Hermann Vieth nach eigenen Angaben mit offenen Karten und nannte Alfred Scholl die Summe von 1,7 Millionen Euro als den Betrag, bis zu dem er bieten dürfe.

Zwar hatte Hermann Vieth gegenüber dem Allgäuer Anzeigeblatt schon von einem Schnäppchen für die Immobiliengesellschaft und einer erwarteten Rendite von elf, zwölf Prozent gesprochen, wenn, wie geplant, eine Supermarktkette die Ladenfläche des Bauernmarkts mieten würde und alles andere bliebe, wie es ist. Doch der Norddeutsche wollte nach eigenem Bekunden fair sein. Wenn die Immobilie in der Hand von Leuten vor Ort bliebe, sei das fürs Gemeinwesen auch besser, meinte Vieth. Die Zwangsversteigerung verfolgten viele Bad Hindelanger. Von einer schmerzhaften Beerdigung für die Landwirte, die Geld und Herzblut in den Bauernmarkt gesteckt haben, sprach ein Beobachter. Dass mit Alfred Scholl einer der drei Landwirte, die seit Juni 2002 Geschäftsführer waren, der neue Besitzer wird, freut insbesondere auch Bürgermeister Roman Haug. Er hegt nun die Hoffnung, dass der Bauernmarkt weiter betrieben wird, wenn auch mit neuer Konzeption und Strategie, damit er wirtschaftlich wird. Ich bin mir sicher, dass es auch in Geiz-ist-geil-Zeiten genügend Leute gibt, die wissen wollen, welche Lebensmittel sie konsumieren.

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