Kaufbeuren
Herrlich schräge Verse und gute Musik

Was passiert, wenn ein Ostallgäuer Ehepaar seine Photovoltaikanlage vom Schnee befreit? Oder wenn in der Kaufhaus-Umkleidekabine die eigene Hose verschwindet? Die höchst amüsanten Antworten auf bislang ungestellte Fragen lieferte am Montagabend - garniert von guter Musik - der 19. Fasnachts-Hoigate des Mundartkreises Ostallgäu im voll besetzten Stadtsaal.

Mit einem exzellenten Gespür für Spannungsaufbau und Situationskomik präsentierte Johanna Hofbauer ihre Geschichten. So etwa die von der in Hosennot geratenen Frau, die kurzerhand den Pulli über die Beine streift und in dieser Aufmachung prompt den Bürgermeister trifft. Oder die von der England-Reisenden, die mit gestohlenem Ausweis und Faschingsgewehr im Gepäck beim Zoll strandet und nur deshalb nicht verhaftet wird, weil ihr Mann sie auf Bayerisch-Englisch für verrückt erklärt. Auch die beiden «einzigen schönen Männer im Ostallgäu» verriet Hofbauer als «Französin sucht Mann» und ausnahmsweise in Prosá: Oberbürgermeister Stefan Bosse und Landrat Johann Fleschhut.

Letzteren hatte bald darauf Waltraud Mair an der Strippe, um ihm in einem «wichtigen Telefonat» das Problem mit den Hundehaufen in allen Farben, Formen und Größen detailgetreu zu schildern. Sie erntete damit ebenso viel Applaus wie mit ihrem Mundartgedicht zum missglückten Tretboot-Ausflug auf dem Forggensee. Besonders bei der Geschichte von der Photovoltaikanlage begeisterte die Bidingerin mit ihrer Fähigkeit, Alltagssituationen herrlich schräg entgleisen zu lassen - und dann mit einem richtigen Knaller aufzulösen. Viele Lacher ernteten aber auch Marianne Wachter mit ihrer Weiberfasnacht, bei der Bürgermeister, Pfarrer und Wirt gleichermaßen leiden müssen, oder Marlene Nieberle mit dem Agenten, der trotz bester Schulung einfach nicht als Russe durchgeht.

Werner Blind hatte zuvor als «dr Kneischter» das Weltgeschehen vom Klimagipfel bis zur Schweinegrippe humorvoll aufs Korn genommen und einen Operngenuss mit Hustenbonbons boykottiert. Einen besonderen Akzent setzten die «Maulquappen» aus Buchloe mit ihren beiden Auftritten: Mal derb, mal urkomisch, mal nachdenklich erklärten sie dem Publikum, wie der Hochzeitstag dank Ouzo und Zaziki nie mehr vergessen wird, warum Bayern Kannibalen sind und wie das Rentnerdasein gelingt. Dabei präsentierten sie sich zudem nicht nur beim «1/4-Quadratmeter-Landler» als ausgezeichnete Musikanten.

Mit ebenfalls sehr guter Musik gestaltete «Blechragu» den Hoigate. Egal ob Charleston, Dixie, Wiener oder französische Melodien, Polka oder Oper - die fünf Musiker um Georg Ried spielten alles perfekt, mit viel Spaß, abwechselnden Soli und Gesangseinlagen. Das Publikum bedankte sich am Ende mit großem Applaus für einen langen, aber kurzweiligen Abend, der wieder in bewährter Weise von Georg Ried moderiert wurde. Im nächsten Jahr feiert der Hoigate dann sein 20-jähriges Bestehen - wenn sich die Akteure nicht noch einmal verrechnet haben

Sämtliche weiteren Vorstellungen sind ausverkauft.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018