Helfen macht glücklich

Von Andrea Schauerte | Hopfen am See 'In den fünf Jahren, in denen ich das jetzt mache, hat mich nur ein einziges Mal ein Patient rausgeschmissen. Es klappt halt nicht immer, aber zu 99 Prozent.' Karlheinz Dittrich spricht von seiner Tätigkeit als Ehrenamtlicher in der Fachklinik Enzensberg. Zwei bis dreimal pro Woche kümmert er sich wie 21 weitere Damen und Herren zwei bis drei Stunden um Patienten. 'Es ist eine wunderbare Sache. Wir geben etwas. Und wir bekommen sehr viel zurück'.

Über das Medizinische hinaus

Die Fachklinik Enzensberg in Hopfen am See hat einen hervorragenden Ruf. Nur selten bleibt deshalb eines der 480 Betten frei. Ob Neurologie, Orthopädie, Traumatologie oder Schmerzklinik. Viele Patienten kommen von weit her, sind wochen-, manchmal monatelang auf dem Enzensberg, getrennt von der Familie, den Freunden und in vielen Fällen nicht mobil - sei es wegen der Amputation, dem Schlaganfall, der Eingewöhnung in den Rollstuhl. Medizinisch und psychologisch werden sie bestens betreut. Und doch fehlt was - mal ein Gespräch, ein Spaziergang, eine Fahrt in die Stadt. Dinge, für die das Pflegepersonal einfach keine Zeit hat. Dinge, die die Ehrenamtlichen übernehmen - und das jetzt schon mit Unterbrechungen seit 25 Jahren.

Karlheinz Dittrich ist 67 und gesund. Als der Kfz-Meister vor fünf Jahren in Pension ging, hatte Dorothea Schwarz, die den Besuchsdienst der Ehrenamtlichen koordiniert, gerade wieder einen Aufruf gestartet, dass Menschen gesucht werden, denen dieses Aufgabe Spaß machen könnte. 'Meine Frau war sehr skeptisch', erzählt Dittrich, 'doch mich hat das enorm motiviert. Das mach' ich, das ist eine sinnvolle Aufgabe.' Gesagt, getan, klein angefangen - inzwischen ist Karlheinz Dittrich aus diesem Dienst nicht mehr wegzudenken. Der Enzensberg ist seine zweite Heimat geworden.

Der gebürtige Hamburger, der seit 40 Jahren in Füssen lebt, schaut, dass er immer Patienten von der gleichen Station betreuen kann. 'Die Ärzte und Schwestern wissen dann schon, wer was und auch wer wen braucht', so Dittrich. Je länger er die freiwillige Arbeit macht, desto größer wurde sein Ehrgeiz. 'Wenn ich einen Patienten aus der Reserve locken, ihn motivieren kann, ist das einfach toll.' Er erinnert sich noch gut an einen Schlaganfallpatienten. Bei der ersten Begegnung konnte dieser weder sprechen noch gehen. Am Ende der Zeit auf dem Enzensberg konnte er beides. 'Und dass das so ist, das weiß ich, lag auch an mir', freut sich Dittrich.

Geben und zurückbekommen

So wie Karlheinz Dittrich erleben es alle 22 Ehrenamtlichen auf dem Enzensberg: Sie geben etwas, weil es ihnen gut geht und damit es anderen besser geht. Sie bekommen etwas zurück, mit dem es ihnen selbst noch besser geht. Und so können sie auch wieder mehr geben. Dorothea Schwarz bringt dieses positive Gefühl auf den Punkt: 'Helfen macht glücklich'.

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