Heiße Rhythmen in einer kalten Nacht

Von Volker Geyer, Altusried-Kimratshofen - In einen dicken Anorak gepackt steht der kleine Johannes zwischen Mama und Papa am Straßenrand in Kimratshofen. Es ist kalt und der Schneeregen klatscht auf den großen Schirm seiner Eltern. Aus der Ferne sind ein dumpfes Trommel-Gewitter und schrille Trompetenklänge zu hören. Je mehr die Musik anschwillt, desto unruhiger trippelt der Fünfjährige auf der Stelle. 'Kommen jetzt die Hexen?', fragt er seine Mutter mit großen Augen. Und wie die kommen! Angeführt von der Kimratshofener Blaskapelle tanzen Geister, Teufel und andere kuriose Gestalten an den zahlreichen Zuschauern vorbei. Gut 4000 Hästräger verwandeln beim Nachtumzug des FKK (Faschingskomitee Kimratshofen) das Dorf in einen Hexenkessel, der trotz Dauerregen mächtig brodelt. Wild mit Konfetti und Bonbons um sich werfend brüllen die Mäschkerer immer wieder ihre skurrilen Schlachtrufe durch die Nacht: 'Wo hogget d'r Frosch - über d'r Gosch hogget d'r Frosch' - oder auch - 'Knocha krachet - Goischter lachet'. Garniert werden die 'Narren-Gesänge' mit Schellen-Gebimmel und Ratschen-Geratter. Insgesamt sind über 90 Gruppen am Start. Sie kommen bis aus der Schweiz, Stuttgart, Ulm und Biberach. Allein aus der Fastnachts-Hochburg Leutkirch sind rund 150 Hästräger angereist. Viele von ihnen haben sich augenscheinlich auf das Erschrecken von jungen und meist recht hübschen Mädchen spezialisiert. Allein oder im Rudel stürzen sich die Maskenträger immer wieder auf neue Opfer und seifen sie gründlich mit Papierschnipsel ein. Die hat ein rechter Mäschkerer übrigens nicht nur in den Hosentaschen, sondern schleppt sie gleich in einem großen Sack mit sich herum. Vor einer Konfetti-Abreibung braucht der kleine Johannes freilich keine Angst zu haben. Denn die wilden Männlein mit den rot-blinkenden Augen und den riesigen Hakennasen können auch ganz lieb sein. So stecken sie dem Narren-Nachwuchs immer wieder Bonbons zu.

Ausgelassene Party Aber es ziehen nicht nur Maskenträger im Stil der schwäbisch-alemannischen Fasnet durch die Kimratshofener Straßen. Auch zahlreiche Kapellen sind mit von der Partie. Mit schräger Guggenmusik heizen sie dem Narrenvolk am Wegesrand ein. Wem's dabei trotzdem noch zu kalt ist, gönnt sich einen Glühwein oder ein Schnäpschen. Richtig aufwärmen können sich die Besucher und die Hästräger aber schließlich im Festzelt, wo das Narrenvolk nach dem Umzug eine ausgelassene Party feiert. Auch wenn der eine oder andere wohl keinen trockenen Faden mehr am Leib hat. Eben ganz nach dem Ruf der Narrenzuft aus Schwendi: 'Pudl - bätschnass'.

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