Memmingen
Heimkehr in die Geburtsstadt

Oscar Besemfelder ist in seine Geburtsstadt heimgekehrt. Nicht der 1965 verstorbene, zu Lebzeiten wohl bekannte Konzertsänger zur Laute. Wohl aber sein Weihnachtsansingen. Dank vorbildlicher Zusammenarbeit wurde im fast überfüllten Kreuzherrn-Saal die Erinnerung an einen berühmten Sohn der Stadt in anrührender Weise lebendig.

Für das lange Beifall spendende Publikum war es ein schöner Beginn der Adventszeit. Viele gestanden ungefragt, wie beeindruckt sie vom Zusammenklang alt bekannter Weisen mit gesprochenem Wort, einfühlsamem Gesang und sensiblem Instrumentalbeitrag, von den Bildern an der Wand und der Szenengestaltung waren.

Kostbare Instrumente

Als Musikschulleiter Otfried Richter und die Münchner Besemfelder-Stiftung das erste Weihnachtsansingen in Memmingen vorbereiteten, stellten sich ihnen allerlei Schwierigkeiten in den Weg, die glücklicherweise bewältigt werden konnten - einschließlich eines kurzfristig notwendig gewordenen Ortswechsels.

Zwei, die dereinst noch mit Oscar Besemfelder spielten, waren mit von der Partie: Otto Neudert zupfte das kostbare Instrument, das sein Vorbild einst zum Klingen brachte. Herbert Diefenthaler hatte von der Stiftung das letzte von dem legendären Lautenbauer Hauser geschaffene Instrument leihweise fürs Spiel in Memmingen zur Verfügung gestellt bekommen.

Sie waren Zeitzeugen im Kreis der gekonnt spielenden und singenden Runde. Den Profis der Fraunhofer Saitenmusik und dem Münchner Schauspieler Joachim Aßfalg (Moderator und Bariton) standen der kleine Männerchor und der ausgewählte Kinderchor sowie sTurmblech aus Memmingen in Nichts nach. Die ansehnlich als Hirten verkleideten Sänger gestalteten malerisch die Szenen von Verkündigung, Aufbruch nach Bethlehem und Geburt.

Maria, Josef und der Engel (Renate Minkus, Hans-Jürgen Schwarz, Anna Wassermann) vermittelten eindrucksvoll, ohne theatralischen Aufwand, die über 2000 Jahre alte und immer noch aktuelle Geschichte um «den Erlöser, den zu preisen» innerstes Anliegen des Spiels ist.

Im Jahr 1946 hatte Besemfelder sein 1924 entstandenes Weihnachtsansingen in der Münchner Residenz vor viel Prominenz erstmals aufgeführt. Während damals noch eine Anzahl Orchesterinstrumente eingesetzt wurden, beschränkte man sich nun in der bearbeiteten Inszenierung weise aufs Wesentliche. Die schlichtere Gestaltung verfehlte ihre Wirkung nicht, wenn auch der Mundartpart von Herbert Heuß nicht überall im Saal zu verstehen war. Die atmosphärische Wirkung war zu spüren. Richter verteilte Sänger und Instrumentalisten geschickt über den Raum und riss die Akteure mit Gestik und Mimik mit.

Dass Oscar Besemfelder nun nach Memmingen heimkehren konnte, ist zunächst den Südbayerischen Wohn- und Werkstätten für Blinde und Sehbehinderte zu danken, deren Geschäftsführer Michael Lohner gleichzeitig Vorstand der Besemfelder-Stiftung ist. Er und weitere Mitarbeiter erfreuten sich mit einer Reihe behinderter Gäste an der Memminger Aufführung.

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