Sonthofen / Oberallgäu
Heftige Einschnitte und neue Angebote

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Keine Frage: Gesundheitswesen und Krankenhaus-Zukunft wecken Emotionen. «Bei kaum einem Thema wird mehr gestritten - auch bei uns», ist sich Landrat Gebhard Kaiser bewusst. Viele heiße Diskussionen gab es vor und nach dem Zusammenschluss der örtlichen Krankenhäuser zu den Kliniken Oberallgäu im Dezember 1998. Denn es folgten teils heftige Einschnitte für eine Bevölkerung, die über Jahrzehnte ihre vertrauten Krankenhäuser vor der Haustür gewohnt war.

Doch die Bilanz, die Kliniken-Geschäftsführer Andreas Ruland jetzt zum Ende des Sanierungstarifs vor dem Oberallgäuer Kreistag zog, fiel positiv aus: Die Kliniken Oberallgäu haben an den verbliebenen drei Standorten etliche neue Angebote etabliert und so die Versorgung der Region verbessert.

Ein Beispiel: Mit 850 Hüft- und Knie-Endoprothesen zählt die Klinik Oberstdorf laut Ruland zu den Top-Ten orthopädischer Spezialkliniken in Süddeutschland. Auch Sonthofen als Zentrum für Älteren- und Innere Medizin samt Reha-Klinik habe sich «absolut bewährt».

«Ungeheure Erfolgsgeschichte»

Eine «ungeheure Erfolgsgeschichte», lobte in der kurzen Kreistagsdebatte Gisela Bock (FDP). Einen Schlüssel zum Erfolg nannte es Heinz Möschel (Grüne), dass die Mitarbeiter den Sanierungsprozess mitgestaltet und auf Geld verzichtet hätten.

«Schwierige Entscheidungen»

Großen Verdienst räumte Ruland auch der Politik ein: «Die meisten Umstrukturierungen scheitern, weil die Kommunalpolitiker nicht in der Lage sind, schwierige Entscheidungen zu treffen.» Nicht so im Oberallgäu, wo manches gegen den Willen von Bürgern durchgesetzt wurde. 1993 etwa gab es im südlichen Oberallgäu fünf Krankenhäuser mit insgesamt 480 Akutbetten; heute sind es noch drei mit 270 Akutbetten. Das Krankenhaus in Bad Hindelang schloss 1993, das in Oberstaufen 2002.

Dennoch wuchs schon damals der finanzielle Druck schnell: 2,7 Millionen Euro Verlust im Jahr 2003, kein abgestimmtes Versorgungskonzept und zu geringe Spezialisierung. Nach vielen Diskussionen über den richtigen Weg für die Kliniken Oberallgäu folgte 2004/2005 das Aus für die chirurgischen Hauptabteilungen sowie die Geburtshilfen in Sonthofen und Oberstdorf. Voraussetzungen, um dann das neue Konzept umzusetzen. Dabei half ein Sanierungstarif, bei dem die Beschäftigten bis Ende des Jahres auf gut 5 Millionen Euro verzichtet haben. Wichtig ist auch das Zusammenspiel von Kliniken und niedergelassenen Ärzten.

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