Hausarzt-Modell bei Versicherten gefragt

Sonthofen/Oberallgäu | uw | Als Erfolg erweist sich das Hausarzt-Modell, das zum Beispiel die AOK, Barmer, Bosch BKK und die Landwirtschaftliche Krankenkasse in Schwaben (LKK) anbieten: Die Mehrzahl ihrer Kunden, weit über 20 000 gesetzlich Krankenversicherte im südlichen Oberallgäu, nimmt daran teil. Ihr Anreiz: Sie sparen sich drei- bis viermal im Jahr die Praxisgebühr. Das sind 30 bis 40 Euro. Ob und wie es weitergeht, wenn tatsächlich Hausärzte ihre Kassenzulassung zurückgeben, ist freilich eine andere Frage.

Kurzgefasst bedeutet das Hausarzt-Modell, dass sich Versicherte für einen Hausarzt entscheiden, der alle Behandlungsschritte steuert. Zum Facharzt gehen Versicherte mit Überweisungsschein. Doch das Modell klappt nicht immer.

Die Fischinger Praxis von Dr. Hans Peter Kjer fühlt sich von der AOK unfair behandelt. Die habe den Vertrag gekündigt, weil er zu wenig chronisch Kranke habe, die an DMP-Programmen (siehe Infokasten) teilnehmen. Die AOK habe darauf die Patienten angeschrieben und mitgeteilt, dass seine Praxis nicht mehr am Hausarzt-Modell teilnehme. Verbunden mit dem Hinweis an die Versicherten: 'Entscheiden Sie sich für einen der vielen anderen Hausärzte, die am AOK-Hausarzt-Modell teilnehmen, können Sie wieder die Vorteile dieses Modells nutzen.' Bei den anderen Kassen habe er mit dem Projekt keine Probleme, so Kjer.

Beim Hausarzt-Modell müsse eine Praxis bereit sein, Kranke ins DMP-Programm einzuschreiben, sagt Günther Erdtl, Chef der AOK-Direktion in Kempten. Dem sei die Praxis nicht ausreichend nachgekommen. Doch Erdtl gibt sich kompromissbereit: 'Wir sind im Gespräch.' Man wolle die Besonderheit der Praxis berücksichtigen, wenn sie ihr Potenzial an Patienten für das DMP-Programm einbindet. 'Wir hoffen, eine gemeinsame Lösung im Sinne der Patienten zu finden.' Weiter betont Erdtl: 'Die Hausärzte sind uns wichtig.' Von etwa 29 000 AOK-Versicherten im südlichen Oberallgäu seien rund 16 000 im Hausarzt-Modell.

Offenbar eine Ausnahme

Der Fischinger Fall ist offenbar eine Ausnahme - zumindest ist Dr. Rainer Gramlich, Vorsitzender des Hausärztevereins Oberallgäu, nichts Gegenteiliges zu Ohren gekommen.

Und die anderen Kassen? Die Barmer hat laut Regionalgeschäftsführer Helmut Brandl von 6200 Versicherten im südlichen Oberallgäu rund 3700 im Hausarzt-Modell. Bei der Barmer müssen Hausärzte DMP-Programme anbieten, aber nicht zwingend alle Varianten.

Bei der Bosch BKK sind im Oberallgäu von 9000 Versicherten über 18 Jahren rund 6500 im Hausarzt-Modell. Laut Sonja Feihle müssen Ärzte ihre Patienten über Möglichkeiten einer Patientenbegleitung informieren. Weitere besondere Bedingungen gebe es nicht - auch keine Verpflichtung, sich an DMP-Einschreibungen zu beteiligen.

Über die Hälfte der Versicherten bei der LKK sind laut Sylvia Lang im Hausarzt-Modell. Dort gebe es keine finanziellen Interessen an DMP-Programmen, weil die Kasse Geld aus anderen Töpfen erhält.

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