Harte Arbeit, kein Urlaub, keine Hobbys

Kempten (bec). - Wenn im Circus Frankello die Vorstellung läuft, sieht alles ganz einfach aus: Lächelnde junge Mädchen tänzeln scheinbar mühelos über dünne Horizontalseile, Feuerspucker werfen ihre Flammen bis unter die Zeltkuppel, gestählte Körper vollbringen akrobatische Höchstleistungen. Doch hinter Glanz und Glitter im Schweinwerferlicht verbirgt sich für die Mitglieder des gerade in Kempten gastierenden Circus harte Arbeit. Und die Zeiten, sagt Direktor Edmund Frank, seien für das in der neunten Generation bestehende Familienunternehmen nicht leicht. Die Konkurrenz sei mittlerweile groß und wer bestehen wolle, müsse schon einiges zu bieten haben. 14 Geschwister hat Edmund Frank, dazu kommen sieben Kinder, 69 Enkel und 74 Urenkel. Mit seiner Frau Heidemarie, den Kindern, 17 Enkeln gastiert er seit Mittwoch in Kempten. Was ist das für ein Leben - mit dem Zirkus? 'Urlaub oder irgendwelche Hobbys sind da nicht drin', erzählt der 56-jährige Berliner. Das ganze Jahr über sei der Circus deutschlandweit auf Tour, die Arbeitstage beginnen früh: 'Um 7 Uhr wird aufgestanden, dann werden zuerst die Tiere versorgt, die Kinder werden in eine Schule am jeweiligen Gastspielort geschickt und dann wird trainiert.' Zwischen den Vorstellungen sei die Familie in der Stadt unterwegs, um für das Programm zu werben. Frank: 'Nach so einem Tag wollen auch die Jugendlichen nicht mehr in die Disco, sondern fallen früh ins Bett.'

Frühzeitig Talente beobachten Schon früh werden die Kinder der Zirkusfamilie ins Geschehen mit eingebunden. Wie die dreijährige Santana, die im Mini-Kostüm das Pausenschild durch die Manege trägt. 'Wir beobachten, in welche Richtung sich Talente entwickeln und dann wird darauf aufgebaut', erklärt Heidemarie Frank. Und in der fast 200-jährigen Zirkusdynastie gab es noch kein einziges Familienmitglied, das nicht beim Circus blieb, sagt Edmund Frank stolz. Mit der gesamten Familie tagtäglich auf engstem Raum leben, geht das? 'Natürlich gibt's Reibereien, aber die kommen in jeder Familie vor', so Heidemarie Frank: 'Aber man ist es ja nicht anders gewohnt.' Das gelte genauso für die Kinder, die eben nicht wie die meisten ihrer Altersgenossen aufwachsen. Dafür seien sie aber auch schon sehr früh sehr diszipliniert. Der Circus Frankello, erinnert sich der Direktor, habe - wie eben jetzt - schon viele schlechte Zeiten gesehen. Und sich oft wieder aufgerappelt: 'Aufgeben liegt auch gar nicht in unserer Mentalität und solange es Kinder gibt, wird es auch den Circus geben.' So wird es auch bei den Franks Tag für Tag weiter gehen, ganz unter dem Motto: 'Menschen, Tiere, Sensationen - zwischen Himmel und Erde im Zauber der Manege.' i Der Circus Frankello gastiert noch bis 10. Juni auf dem Festplatz an der Allgäu-Halle. Die Vorstellungen finden wochentags jeweils um 17 Uhr, freitags und samstags um 15 und 18 Uhr sowie sonn- und feiertags um 11 und 15 Uhr statt. Karten gibt's unter (0174) 7212483.

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