Handschellen für Vater, der nicht zahlt

Von Brigitte Horn Sonthofen Dass die Justiz im Süden der Republik kein Pardon kennt, wenn Kindsväter die Alimente schuldig bleiben, bekam jetzt ein Berliner buchstäblich am eigenen Leib zu spüren: Weil der säumige Zahler ein Urteil ignorierte, das den 44-Jährigen dazu verdonnert hatte, regelmäßig Unterhalt für seine nichteheliche Tochter zu überweisen, ließ ihn die Sonthofer Amtsrichterin kurzerhand festnehmen. Auf Verschub zur Verhandlung ins Allgäu lernte der Gerüstbauer dann vier Wochen lang eine ganze Reihe von Gefängnissen kennen, bevor er in Handschellen vorgeführt erneut auf der Anklagebank Platz nehmen musste. Wir hatten ja schon das Vergnügen, erinnerte Richterin Brigitte Gramatte-Dresse den schmächtigen Mann mit Pferdeschwanz an sein erstes Gastspiel im Sonthofer Amtsgericht. Damals war das Verfahren wegen Unterhaltspflichtverletzung eingestellt worden, nachdem der Angeklagte hoch und heilig versprochen hatte, künftig seinen Verpflichtungen für die bei der Mutter lebende zehnjährige Tochter nachzukommen. Aber zahlt ham S gar nix, konstatierte die Richterin kopfschüttelnd. Ick habe wirklich keen Geld verdient, versicherte der seit einer Betriebs-Pleite arbeitslose Berliner. Dass er aber auch zuvor als Gerüstbauer nur einen Lohn unterhalb der Pfändungs-Grenze erhalten haben will, erklärte er mit einem lakonischen Det sin eben die Preise. Weil sich der 44-Jährige absolut nicht an die Sonthofer Auflagen gehalten hatte und dann auch noch untergetaucht war, ließ die Richterin nach dem Mann fahnden.

Denn dass er verpflichtet ist, jeden Wohnungswechsel zu melden, weiß der vielfach vorbestrafte Berliner nur allzu gut. Hat er doch in den letzten zwei Jahrzehnten ein stattliches Vorstrafenregister mit Diebstählen, Körperverletzungen, Betrügereien, Sachbeschädigungen, Nötigung und Vollrausch angehäuft und verfügt so über reichlich Erfahrung mit Justitias Gepflogenheiten. Ungeachtet dessen fand der Arbeitslose, dass er vielleicht doch noch mal ne Chance kriegen könne. Der Verteidiger untermauerte diese Hoffnung mit einem handfesten Angebot: Sein Mandant werde ein ausstehendes Insolvenz-Ausfallgeld an die Mutter des Kindes abtreten, bot er an. Was aber wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein dürfte. Denn der Berliner schuldet seiner Ex-Freundin mehr als 12000 Euro an Unterhalt und steht auch beim Jugendamt tief in der Kreide. Richterin Brigitte Gramatte-Dresse verurteilte den Angeklagten unter Einbeziehung einer noch offenen Strafe aus seiner Heimat zu sieben Monaten Gefängnis, setzte deren Verbüßung aber zur Bewährung aus. Mit der Auflage, dass der Vater wider Willen kräftig zahlen muss: neben dem laufenden Unterhalt für die Tochter monatlich 200 Euro auf seine Alimente-Rückstände. Tut er das nicht, ließ die Richterin keinen Zweifel an den Konsequenzen aufkommen: Dann sind S schneller wieder in Haft als S schauen können.

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