Handpuppe Julia hilft in allen Notfällen

Marktoberdorf/Ostallgäu (af). - Julia verbringt mit Bruder Tim ihre Ferien bei der Tante. Als die kurz in die Stadt muss, ergreift Tim die Gelegenheit, klettert auf einen Apfelbaum, fällt herab und bricht sich den Fuß. Aber wie ist in solchen Fällen zu reagieren? So wie Julia es tat, so sollen es künftig alle Erstklässler auch im Ostallgäu lernen. Schulamtsdirektor Karl Happ überreichte jeder Schule einen Koffer mit Unterrichtsmaterial. Damit die Kinder bald wissen: '112 - Hilfe kommt herbei'. In dem Koffer befindet sich auch Julia samt Telefonen und einem großen Vorlesebuch. Julia, das ist eine eigens entwickelte Handpuppe, die die Kleinen begleitet und ihnen erzählt, wie sie über die Notrufnummer 112 Hilfe holen können. Sicher, in Bayern gibt es die 112 noch nicht als einheitliche Notrufnummer. Doch lässt eine Umstellung nicht mehr lange auf sich warten. Denn bald soll die 112 europaweit einheitlich gelten, so wie es beim Einsatz eines Handys schon lange der Fall ist. 'Wenn etwas passiert ist jeder aufgeregt: Erwachsene und Kinder erst recht', berichtete Grundschullehrerin Angelika Schäfer ihren Kolleginnen und Kollegen bei der Fortbildung in Marktoberdorf. Daher sollten alle Erstklässler lernen, machte Happ als Ziel fest, wie man sich im Notfall verhält. Dies sei ein Teil der Sicherheitserziehung der Kinder, wie sie auch im Grundschullehrplan festgeschrieben sei. Es gehe darum, dass Kinder lernen, auch in besonderen Situationen überlegt und besonnen zu handeln.

Blick nach Österreich Dabei lohne ein Blick zum Nachbarn nach Österreich. Dort sei ein Unterricht auf dem Gebiet, wie sich mit der Notrufnummer Hilfe holen lasse, selbst in Kindergärten längst an der Tagesordnung. Daher verhielt sich auch ein siebenjähriges Mädchen sehr kompetent, als ihr jüngerer Bruder zu Hause verunglückt war. Dieses Mädchen war eine Verwandte von Ludwig Rapp aus Weiler, dem Vorsitzenden der 'Kinderbrücke Allgäu'.

Weite Kreise gezogen So entstand die Idee, diese Aktion 'Hilfe holen' nach Bayern zu tragen. Unterstützung fand Rapp beim Rotary-Club Kempten, beim Lindauer Schulrat Thomas Novy, später auch beim Seminar für Verkehrserziehung an der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen. Das Projekt zog weite Kreise. Dank der Gelder des Rotary-Clubs und anderer Sponsoren wird das Unterrichtsmaterial im Allgäu als einziger Region in Bayern kostenlos verteilt. Der Unterricht schlägt gleichsam zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen soll er die 112 bekannt machen und so die Sachkompetenz fördern, zum anderen die so genannte Sozialkompetenz steigern nach dem Motto: 'Hilfe holen, das kann ich auch.' Anhand des von der Künstlerin und Schriftstellerin Uli Waas aus Neu-Ulm geschaffenen Buches und mit Julias puppenhafter Unterstützung ließen sich in der Schule diverse Szenen nachspielen, berichtete Angelika Schäfer aus der Praxis. Sie hat die Arbeitshilfe für Erzieher und Lehrkräfte entwickelt. 'Wer ruft an, was ist passiert, wo ist es passiert - diese drei Fragen sollten die Kinder sicher beantworten können', erklärte sie. Dabei soll auch ein von Novy extra komponiertes Lied beitragen - und natürlich Julia.

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