Kaufbeuren / Kempten
Hakenkreuz-Fahne aus dem Auto gehalten

Er war seit etwa vier Jahren in der rechten Szene aktiv und zeigte seine Gesinnung unter anderem dadurch, dass er sich ein Hakenkreuz auf die Brust tätowieren ließ. Im Juli 2009 hielt der einschlägig vorbestrafte 20-Jährige in Kempten eine Hakenkreuz-Fahne aus einem fahrenden Auto. Dies brachte dem jungen Mann, der zwischenzeitlich nach Obergünzburg umgezogen ist, eine Anzeige wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ein. Er wurde jetzt vom Kaufbeurer Jugendschöffengericht nach Erwachsenen-Strafrecht zu einer viermonatigen Haftstrafe verurteilt. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

Im Urteil ist auch noch ein Fall von Fahren ohne Fahrerlaubnis enthalten, für den zusätzlich ein dreimonatiges Fahrverbot verhängt wurde. An den Vorfall mit der Hakenkreuz-Fahne konnte sich der Angeklagte jetzt angeblich nicht mehr genau erinnern. Er wisse nur noch, dass er seinerzeit nach dem Stadtfest «ziemlich betrunken» auf der Rückbank seines Autos gesessen habe. Dies deckte sich mit der Wahrnehmung eines Passanten. Der Zeuge hatte damals beobachtet, wie ein junger Mann an der Kreuzung Memminger Straße/Adenauerring vom Rücksitz eines Autos aus eine Hakenkreuz-Fahne aus dem Fenster hielt.

Bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung des Angeklagten wurde dann eine entsprechende Fahne gefunden, sowie ein ganzes Sortiment an T-Shirts mit rechten Parolen und Emblemen, das der junge Mann nach eigenen Angaben im Internet bestellt hatte.

Vor Gericht gab sich der Angeklagte jetzt zwar geläutert und erklärte, er habe keinen Kontakt mehr zur rechten Szene. Der Richter reagierte darauf allerdings mit deutlicher Skepsis und zitierte einen Kollegen aus Kempten, der dem jungen Mann in einer ähnlichen Situation «kein Wort» geglaubt hatte.

Der Jurist hatte ihn nämlich wenige Tage nach einer Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung mit frischer Glatze gesehen - während er als Angeklagter noch mit längeren Haaren und angeblichem Sinneswandel aufgetreten war. Außerdem tauchte er gemeinsam mit anderen Neonazis bei einer Gerichtsverhandlung gegen einen Gesinnungsgenossen auf.

Probleme mit Alkohol

Weil der junge Mann im August 2009 auch noch schwer alkoholisiert in Kempten unterwegs war und damit gegen eine Bewährungsauflage verstieß, muss er seit Dezember eine mehrmonatige Haftstrafe verbüßen. Dazu kommt die aktuelle Strafe.

Weil die Taten des Angeklagten mehrheitlich auch mit übermäßigem Alkoholkonsum zu tun hatten, empfahl ihm der Richter, im Gefängnis einen Suchtberater zu kontaktieren. Außerdem solle er «vielleicht einmal darüber nachdenken, ob Sie sich nicht das Hakenkreuz vom Oberkörper entfernen lassen.»

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