Kempten / Haiti
Haiti helfen - trotz Rollstuhls und Krankheit

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Manche Begegnungen verändern das ganze Leben. Bei Irmgard Krohns war es die Begegnung mit einem Land, die ihren Weg für immer prägen sollte. 1983 setzte die Kemptenerin erstmals ihren Fuß auf haitianischen Boden. Seither ist sie nie mehr losgekommen von dem bettelarmen Land in der Karibik. Das verheerende Beben - es hat auch die fast 30 Jahre andauernde Hilfs- und Aufbauarbeit von Irmgard Krohns für den Verein Haiti Kinder Hilfe in Schutt und Asche gelegt.

Durch ihre Tochter kam Irmgard Krohns zum ersten Mal nach Haiti - die junge Frau legte damals ihr Gelübde bei einem katholischen Orden ab. Heute sitzt Irmgard Krohns im Rollstuhl im Aufenthaltsraum eines Kemptener Seniorenheims. Auf dem Tisch liegen die Ausdrucke von E-Mails, in denen ihre haitianischen Freunde vom Chaos nach dem Beben berichten. Schulen, Waisenhäuser, Krankenstationen - vieles davon hat Irmgard Krohns mit aufgebaut. Sechsmal war sie auf Haiti, zuletzt 1995.

Eine Krankheit macht ihr das Reisen inzwischen unmöglich. Deshalb aufgeben - das kommt dennoch nicht in Frage für eine Frau, die während des ersten Golfkriegs in einem Camp an der saudi-arabischen Grenze für Frieden betete.

Und so hilft die weißhaarige Seniorin mit dem schlichten Goldkreuz um den Hals nun eben per Laptop. Von Kempten aus steht sie in Kontakt mit den Menschen auf Haiti, will mit ihrer Mitstreiterin Susanne Riegg von der «Haiti Kinder Hilfe» Spenden sammeln und Aktionen auf den Weg bringen.

Unter den E-Mails befindet sich auch die des haitianischen Priesters Claudener Raphael, der schon zweimal in Kempten war und die Katastrophe überlebt hat. «Maman Krohns» nennt er die 84-Jährige, Mama Krohns. «Wir sind wie Familienmitglieder», erzählt die Kemptenerin. 85 Prozent der Landeshauptstadt Port-au-Prince sind zerstört. Zigtausende Menschen seien tot, darunter der Erzbischof und sein Generalvikar. Auch eine andere E-Mail berichtet von Zerstörung, von Tod und Leid. Im Gesicht der 84-Jährigen zuckt es, als sie erzählt, dass ein Knabenwaisenhaus des Vereins durch das Beben in sich zusammenstürzte.

Viele Kinder wurden getötet, auch der Hausmeister kam beim Rettungsversuch ums Leben.

Einige wenige Gebäude des Vereins stehen noch, berichtet die Haitianerin Marie Josée Laguerre per Mail. Sie rief die Haiti Kinder Hilfe ins Leben, in der Krohns und Rieggs Hilfsaktionen verankert sind. Allerdings wisse niemand, ob die beschädigten Gebäude doch noch einstürzen. Marie Josée sitzt derzeit in New York fest, wo sie sich zum Zeitpunkt der Katastrophe aufhielt. Und wie geht es weiter? «Erstmal müssen wir sehen, dass Marie Josée wieder nach Haiti kommt, damit sie die Hilfe für uns vor Ort koordinieren kann», sagt Krohns.

Die 84-Jährige hat bereits viel Elend gesehen in Haiti. In ihren Armen starben Babys, ausgemergelt vom Hunger: «Ihre Finger sahen aus wie Streichhölzer.» Schmerzliche Erinnerungen - und doch sei es all das Wert gewesen, sagt sie und zitiert den Talmud: «Hast du nur einem Menschen das Leben gerettet, hast du die ganze Welt gerettet.»

Das Spendenkonto: Haiti Kinder Hilfe, Konto 229 245 bei der Liga Bank Regensburg, BLZ 750 903 00.

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