Gute Ansätze müssen weiter entwickelt werden

Kaufbeuren (oll). - 'Was die Verbesserung der Wohnqualität im Stadtteil Neugablonz angeht, sind gute Ansätze vorhanden. Der Rest muss noch kommen.' Dieses kurze Resümee zog Dr. Marie-Therese Krings-Heckemeier nach ihrem Vortrag 'Soziale Stadt', den sie während der Architekturwoche A2 vor zahlreichen Interessierten hielt. Der Vortrag mit anschließender Diskussion fand wegen des schlechten Wetters nicht, wie geplant, beim Floß am westlichen Wertachufer, sondern im Haus St. Martin statt. Weitergehen müsse es mit einer Lenkungsgruppe, so die Referentin und Mitautorin der Kaufbeurer Studie 'Soziale Stadt'. Diese Kommission müsse 'ganz hoch angesetzt' sein. Möglichst mit dem Oberbürgermeister, der damit zeigen solle: 'Ich nehme das ernst.' Auch Polizei, Schulen und die Bevölkerung gehörten mit dazu. Eine Stadt müsse sich überlegen, ob sie nach dem Erreichten noch einen Schritt weitergehen wolle. 'Das kann das Bauamt nicht alleine machen.' In ihrem Vortrag ging Krings-Heckemeier häufig auf die örtlichen Belange ein. Demnach war Kaufbeuren mit Neugablonz neben weit über 300 Städten in Deutschland vor zwei Jahren in das Städtebauförderungsprogramm aufgenommen worden. Dessen Ziel lautet 'Integrierte Strategien für Nachbarschaften'. Diese Strategien sollen auch in anderen Stadtteilen zum Tragen kommen. Ausgangspunkt ihres Referates waren die Bevölkerungsschrumpfung in Deutschland und deren Folgen, nämlich Wohnungsleerstände, Kaufkraftschwund, überforderte Nachbarschaften und das Auseinanderdriften von Arm und Reich in den Städten. Was laut Referentin wiederum verbunden ist mit schlechten Integrations- und Bildungschancen eines Teils der Kinder und Jugendlichen, 'die eigentlich unsere Zukunft sind'. Auf Städtebauförderung dürfe sich das Programm nicht beschränken. 'Wir brauchen eine Verbesserung von Lebensqualität und Lebenschancen.' In Neugablonz gehe es um die Verbesserung des Wohnungsangebots (Modernisierung des Bestandes aus den 50er- und 60er- Jahren), des Wohnumfeldes (Abbau von Konflikten zwischen Bevölkerungsgruppen unterschiedlicher Herkunft), einer adäquaten Bewohner- und Infrastruktur und Stadtteilkultur.

'Ein Paradies' im Vergleich Nötig sei ferner ein höheres Sicherheitsniveau. Vermieden werde müsse ein Zustand, in dem sich die Einheimischen wie Fremde im eigenen Land fühlen. Verglichen mit Berlin-Kreuzberg oder anderen Projekt-Stadtteilen habe man 'in Neugablonz ein Paradies vorgefunden. Hier haben wir Engagement der Bewohner. Die müssen unterstützt werden'. Neugablonz sei kein Stadtteil 'der schon umgekippt ist. Aber die Gefahr besteht'. Sei ein Stadtteil erst einmal umgekippt, sei es sehr schwer, dies wieder zu verändern. Es gebe positive Entwicklungen und Potenziale in Neugablonz, betonte die Referentin. Dazu gehörten die attraktive Lage, das Schwimmbad, Trümmergelände und Neuer Markt. 'Und ganz ganz wichtig, was wir selten erlebt haben: Starkes ehrenamtliches Engagement', sagte sie. Die Referentin zeigte anhand einiger Beispiele, dass bereits 'Einiges erreicht' worden sei und empfahl, bald eine Lenkungsgruppe ins Leben zu rufen und die Bevölkerung in den Prozess mit einzubeziehen. Die Diskussion moderierte der Leiter des städtischen Bau- und Umweltreferats, Ralf Baur. Zwei Vertreterinnen der Firma Südhausbau (München), die bei der Begrüßung von Architekt Wendelin Burkhardt als Mitsponsor der Architekturwoche erwähnt worden war, standen für Fragen zur Verfügung. Dabei ging es in erster Linie um die praktische Umsetzung des Konzeptes zur Wohnumfeldverbesserung, aber auch um die Einbeziehung schwieriger Jugendlicher und die Gründung eines Catering-Dienstes.

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