Große Musik auf kleiner Orgel

Füssen - Um das Jahr 1750 wurde die Legorgel im Chorgestühl von St. Mang gebaut. Die Musik, die beim Eröffnungskonzert anlässlich des 300. Geburtstages des Füssener Orgelbauers Andreas Jäger erklang, war etwa 150 Jahre älter. Als klangschönes Instrument und förmlich prädestiniert erwies sich die Orgel bei den Vorträgen der Kompositionen jener Zeit. Professor Wolfgang Baumgratz wies darauf hin, dass die spätbarocke Orgel äußerst vielseitig verwendbar sei und somit Werke aller Epochen darauf gespielt werden können. Er trug Toccaten von Jan Pieterszoon Sweelinck und dessen Schülern Samuel Scheidt und Johann Hermann Schein vor. Bei den manualiter gespielten Werken verstand der Künstler die durchsichtige polyphone Schreibweise, aber auch den zum Teil virtuosen Klavierstil hervorragend wiederzugeben.

Meisterlich präsentiert Faszinierend und fast kaleidoskopartig schillernd erschien die Toccata super 'In te, Domine, speravi' von Samuel Scheidt. Das Choralthema ist gleichsam der rote Faden, um den sich eine Vielzahl unterschiedlicher Figurationstechniken anreiht. Die in allen vorgetragenen Kompositionen geforderten ausgeprägten fugierten Abschnitte und die imitatorischen Spielweisen wurden meisterlich präsentiert. Im Chorgestühl der Barockbasilika war die Orgel hauptsächlich Begleitinstrument zu den gregorianischen Gesängen der Mönche. Bei diesem Konzert waren es bekannte evangelische Choräle von Johann Hermann Schein, die kunstvoll begleitet wurden. Aus der Sammlung 'Opella nova' (1618) sangen Dorothea Mertens (Sopran) und Albert Frey (Countertenor) im Duett unter anderem Choräle wie 'Eine feste Burg ist unser Gott' oder 'Vater unser im Himmelreich'. Schein, der auf die deutsche Choraltradition die Form des aus Italien stammenden solististischen Vokalkonzertes übertrug, stellt erhebliche Anforderungen an die Ausführenden. Mit Bravour wurden diese von den beiden Sängern erfüllt. Die Gesänge wirkten sehr intonationsrein, lebendig, leicht und locker, mit präzisen Einsätzen. Besonders in den höheren Lagen überzeugte die Sopranistin. Sehr füllig, aber auch beweglich, zuweilen jedoch zu dominant wurden die Partien für die Altstimme von Albert Frey gesungen. Das Konzert war ein schöner Einstieg in die Reihe der weiteren geplanten Veranstaltungen. Schade, dass nur sehr wenig Besucher das Chorgestühl von St. Mang füllten. Klaus Bielenberg

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