Allgäu
Glücksgefühle um acht Uhr in der Früh

In den Vereinen im südlichen Oberallgäu wird nicht nur großer Wert auf Breitensport gelegt. Ziel ist es auch, Nachwuchssportler zu fördern und an die Spitze zu bringen. Wir stellen die größten Talente der Region vor.

Oberstaufen Im Skifahren hat es Philipp Schmid vom SC Oberstaufen schon weit gebracht. Seit 20 Jahren steht der 23-Jährige bereits auf den Brettern und hat es durch kontinuierliches Training bis an die deutsche Spitze geschafft. Er wurde deutscher Vizemeister im Riesenslalom in der Saison 2007/08 und im vergangenen Winter landete er im Slalom auf dem dritten Platz. «Philipp ist ein richtiger Wettkampftyp. Er ist im Moment sehr gut drauf», lobt ihn sein Konditionstrainer Günther Hartung vom Olympiastützpunkt in Oberstdorf. «Bereits in der vergangenen Saison konnte er Weltcup-Einsätze herausfahren. Die Chancen stehen sehr gut, dass dies auch in diesem Winter wieder klappt.»

Ständig unterwegs

Das Streben nach großen internationalen Erfolgen erfordert ein Leben für den Sport. Vor allem im Winter, aber auch in den Sommermonaten ist das Skitalent sehr viel unterwegs. «Das Kofferpacken wird zur Gewohnheit. Bis zu den ersten Rennen sind wir circa 50 Tage auf dem Gletscher und dann sind wir eigentlich ständig unterwegs», berichtet der 23-Jährige. Ob Skandinavien, Frankreich, Italien, Kroatien oder Slowenien - die Rennen im Europacup erfordern lange Anfahrtszeiten, die sich für Philipp bisher gelohnt haben.

In der vergangenen Europacup-Saison punktete er konstant im Riesenslalom. Ein Erfolg, an den er dieses Jahr anknüpfen möchte. «Meine Ziele für den kommenden Winter lauten: Im Europacup vorne mitfahren und bei einigen Weltcup-Rennen an den Start gehen. Danach steht die Weltmeisterschaft 2011 in Garmisch-Partenkirchen im Vordergrund», lässt das Skiass wissen.

Trainer Günther Hartung dachte sogar gleich einige Jahre weiter. «Klares Ziel sind die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi in Russland». Fünf Tage in der Woche trainiert Philipp am Olympiastützpunkt in Oberstdorf. Wie bei anderen Winterdisziplinen ist auch beim Skifahren das Sommertraining unerlässlich. Wenn er nicht gerade auf einem der europäischen Gletscher unterwegs ist, konzentriert er sich im Oberallgäu auf das Konditions- und Krafttraining. «Im Sommer sind wir oft zum Muskelaufbau im Kraftraum oder arbeiten an unserer Ausdauer. Dann gehts auch oft mit dem Rennrad raus», erzählt Philipp. Das Skitraining selbst ist von besonderer Bedeutung. Daher wird versucht, so oft wie möglich in die schneesicheren Berge zu fahren. Schließlich stehen jedes Jahr Anfang November schon wieder die ersten Rennen an.

Gearbeitet wird außerdem mit Filmaufnahmen- und Analyse, um so Technikfehlern auf die Spur zu kommen und diese gezielt zu verbessern. «Um acht Uhr, wenn die Lifte öffnen, gehts auf die Piste. Nach der Mittagspause ist dann Konditionstraining am Ergometer und Rumpftraining», beschreibt Philipp einen typischen Trainingstag. Mit einem Studium oder einer Arbeitsstelle wäre so ein Trainings- und Wettkampfumfang kaum zu kombinieren. Während der Schulzeit wohnte das Nachwuchstalent im Skiinternat in Oberstdorf, um bestmögliche Ski- und Schulleistungen erzielen zu können. Mittlerweile ist der 23-Jährige im Ski-Team des Zolls und kann auf dessen Rückhalt zählen. «Für das Training und die vielen Wettkämpfe bekomme ich immer frei. Ohne den Zoll könnte ich den Leistungssport gar nicht machen», sagt Philipp anerkennend.

Die Bundeszollverwaltung fördert bereits seit Jahrzehnten Spitzensport und stellt die Angehörigen des Ski-Teams als Beamte des einfachen Zolldienstes ein. Das intensive Training hat den Skirennläufer des SC Oberstaufen weit noch oben gebracht. Einen deutlichen Abstand zur Weltspitze gesteht das Talent aber ein. «Zu den Topläufern ist es schon noch ein Sprung. In Deutschland ist es Felix Neureuther, an dem wir uns messen. Im Weltcup ist es brutal hart, sich durchzusetzen.»

In den Rennen noch besser

Trainer Günther Hartung zeigt sich jedoch zuversichtlich. «Die Chancen stehen gut, dass sich Philipp einmal im Weltcup etablieren wird. Seine mentale Stärke ist ein großer Erfolgsfaktor. In den Rennen fährt er meist sogar noch besser als im Training.

Kleine Schwächen gibt es noch im koordinativen Bereich. Durch spezielle Balancier- und Koordinationsübungen, auch mal auf einem Drahtseil oder auf Bäumen, gehen wir diese Defizite gezielt an», erklärt Günther Hartung.

«Skifahren selbst ist für mich eine große Motivation», betont das Skitalent. «Wenn ich morgens um acht als Erster auf dem Berg stehe und die Sonne scheint, dann weiß ich, warum ich so viel trainiere.»

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019