Gibt es Hexen nur noch als Faschingsfiguren?

Unterallgäu (hlz). - Der Glaube an Hexen war einst wie eine Epidemie und brachte viel Unglück über die Menschen. Doch auch heute soll es noch Leute geben, die an die zerstörerische Kraft von Hexen glauben. Es gibt sogar Frauen, die als Berufsbezeichnung 'Hexe' angeben. Auch im Fasching und in unserer Sprache sind sie noch unter uns. Der Hexenglaube und Hexenwahn waren ein finsteres Kapitel im Mittelalter. Noch im 18. Jahrhundert wurden Frauen als Hexen verbrannt. Wenn auch mit der Aufklärung Hexenverfolgungen verboten wurden, endete der Volksglauben an die Hexerei nicht. Besonders in ländlichen Gegenden wurzelte der Irrglaube tief, und Volkskundler sind sich noch nicht ganz sicher, ob er schon ganz ausgerottet ist. Als Hexen wurden fast ausschließlich Frauen gesehen, da diese, wie man meinte, leichtgläubig und bösen Phantasien schneller zugänglich seien. Wenn das Korn verdarb, die Hühner ihre Eier verlegten oder eine Kuh verwarf, dann beschuldigte man Hexen. Wenn die Kühe keine Milch gaben, war man sich früher auch sicher, dass Hexen die Kühe heimlich ausgemolken haben.

Neben den 'Milchhexen' gab es auch die 'Wetterhexen'. Es hieß auch, dass die Hexen in der Walpurgisnacht zum 1. Mai auf einem Besen reitend durch die Lüfte sausten. Die so genannte Freinacht ist ein Überbleibsel davon. Auch in den geheimnisvollen Rauhnächten zwischen Thomastag und Dreikönig sollen Dämonen, Hexen und bösen Geister durch die Lüfte gefegt sein. So gab es früher immer wieder Geschichten über verschwundene Menschen und Hunde. Gegen diese bösen Geister ging man in Haus und Stall durch Ausräuchern mit Weihrauch vor, und man machte mit geweihter Kreide drei Kreuze an die Türen. Aus dem Ausräuchern wurde ein Brauch, der sich an Dreikönig bis heute erhalten hat. Ältere Menschen berichten, dass man früher Besen häufig mit dem Stiel nach unten angelehnt habe, um die Gewalt der Hexen zu brechen. Immer wieder erzählte man auch von alten Frauen mit dem bösen Blick, die auf keinen Fall in einen Kinderwagen schauen oder von denen Kinder nichts annehmen durften. Noch vor wenigen Jahrzehnten erzählte man sich die Geschichte eines Mannes aus einem Unterallgäuer Dorf, der als 'Simpertie-Macher' nach dem abendlichen Gebetläuten wegen böser Geister eine bestimmte Straße nicht mehr passieren durfte. Ob es heute immer noch Leute gibt, die an Hexen glauben? Jedenfalls ist der Hexenglaube zumindest in unserer Sprache noch präsent: 'Das geht nicht mehr mit rechten Dingen zu', 'das ist doch wie verhext' oder 'ich kann auch nicht hexen' sind gebräuchlich. Letztlich haben die Hexen auch jährlich in den Faschingsumzügen und beim Narrentreiben ihre große Zeit. Als Hexen verkleidete Kinder und Erwachsene ziehen dann auf Besen reitend durch die Straßen und erschrecken Leute.

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