Kempten
Gewölbe der Vergessenheit entrissen

Lange ist die Brautradition in Kempten. Vor allem in der Reichsstadt Kempten gab es zahlreiche Hausbrauereien. Zu den bekanntesten gehörten Engel, Grüner Baum und Mohren. Alle drei Brauereien sind längst aus dem Stadtbild verschwunden. Übrig sind nur noch die Lagerkeller der Grünbaumbrauerei tief unter der Burghalde.

Die drei mächtigen Tonnengewölbe wurden kürzlich geöffnet und statisch untersucht. Mit dabei war Roger Mayrock, Leiter des Burgmuseums und Bewohner der Burghalde. Er war sichtlich beeindruckt von der Größe der Gewölbe: «Es ist aber keine einheitlich erbaute Anlage. Für mich ist die Mischung zwischen verschiedenen Natursteinmauerwerken mit dem Ziegeldach baugeschichtlich sehr interessant.»

Ingesamt drei Gewölbe mit je rund 50 Quadratmetern Grundfläche waren einst in den Hang getrieben worden. Wie sich aus alten Plänen erschließt, stand der Lagerkeller der Brauerei zum Grünen Baum zwischen Stadtmauer und Burghalde. Dieser Keller war neben dem benachbarten Mohrenkeller und dem Lammkeller in der Pulvergasse der größte altstädtische Bierkeller im Burghaldehügel.

Der Grünbaumkeller, der auch als Burghaldekeller bekannt war, ragte weit aus dem Hang und war mit einem stattlichen Haus überbaut. 1934 stellte die Stadt erste Überlegungen für eine zwölf Meter breite Straßenverbindung zwischen Iller und Freudenberg an. Ende 1938 kaufte sie das Anwesen von den Familien Schnitzer, Weixler und Hoefelmayr.

Als im Jahre 1939 die Burgstraße durchgebrochen wurde, musste der Bierkeller für die breite Bresche in der Altstadt weichen. Das markante Haus wurde abgebrochen, die Keller wurden verkürzt und zugemauert. «Im Zweiten Weltkrieg sollten die Brauereigewölbe zum Luftschutzkeller ausgebaut werden», erinnert sich die Altstadt-Traudl, Gertraud Schwarz aus der Burgstraße. Tatsächlich sind die zwei Zugänge mit einem betonierten Gang und zwei Türen versehen worden, doch genutzt wurden sie nie.

Zahn der Zeit nagt

Von den dicken Holztüren im Keller ist heute nicht mehr viel übrig. Gerhard Mayrock, der an der Lützelburg aufgewachsen ist, war bei der jüngsten Kellerbegehung reichlich fasziniert vom Verfallsprozess: «Da sieht man erst, wie sich eine Türe entwickelt, wenn sie über Jahrzehnte sich selbst überlassen ist.» Die Keller selbst weisen nämlich eine hohe Luftfeuchtigkeit auf. «Hier wurden nach dem Krieg Champignon gezüchtet», erinnert sich Ehefrau Christiane Mayrock.

Mohrenkeller 1938 verfüllt

Zwischen Ritterkeller und Grünbaumkeller war einst der Engelkeller in den Burghaldehügel getrieben worden. Brauereibesitzer Eugen Zorn verkaufte das Gewölbe, auch bekannt als alter Mohrenkeller, 1876 an die Familie Schnitzer vom Grünen Baum. Für den Straßendurchbruch der Burgstraße erwarb OB Dr. Otto Merkt 1938 das Gewölbe um 500 Mark und ließ es verfüllen. Abgebrochen wurde auch die Alte Kemptener Schießstätte neben dem Burghaldefriedhof. Und wo lagerte das Bier? Die Grünbaumbrauerei hatte 1939 ihre Keller längst an die Ecke Mozartstraße/Jägerstraße verlegt. Die Bierkeller wurden 1967 abgebrochen. Heute steht hier eine Wohnanlage.

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