Gewalt unter Jugendlichen: Was tun?

Von Ingrid Grohe | Lindau/Lindenberg Das Thema des öffentlichen Fachgespräches war weit gesteckt: 'Gewalt an und von Kindern und Jugendlichen'. Für diese Veranstaltung in Lindau sowie für einen Vortrag in Lindenberg konnte Landratskandidat Elmar Stegmann Justizministerin Dr. Beate Merk gewinnen. Während die Ministerin vorwiegend die in letzter Zeit vielfach geäußerten und veröffentlichten Standpunkte zum Umgang mit jugendlichen Straftätern wiederholte, war beim Fachgespräch von anderen Podiumsteilnehmern und aus dem Publikum viel Nachdenkliches sowie konkrete Anregungen zu hören.

'Der Erziehungsgedanke ist die große Überschrift beim Jugendstrafrecht', sagte die Justizministerin und begründete damit die gängige Praxis, nicht jeden jugendlichen Straftäter gleich als Kriminellen zu behandeln.

Bei der Diskussion hielt man sich indes nicht lange mit Gesetz und dessen Umsetzung auf. Zur Frage nach den Ursachen von Gewalt unter Jugendlichen wurden die bekannten Erklärungen genannt: falscher Medienkonsum, mangelnde Integration bei ausländischen Jugendlichen, das eigene Erleiden von Gewalt und Vernachlässigung. Als Ausgangspunkt für Gewalt in Familien nannte der Kinder- und Jugendarzt Dr. Klaus Adams die Überforderung der Eltern. 'Junge Mütter haben nicht mehr solche Unterstützung vom Familienverband wie früher', sagte Adams.

'Die Politik kann nicht alles regeln. Aber sie kann Rahmenbedingungen bieten', richtete sich Moderatorin Uschi Kattler (vom Verein 'Hilfe für Frauen mit Kindern in Not') an die anwesenden Kommunalpolitiker. Die listeten auf, was in Kreis und Kommunen bereits präventiv getan wird: Toni Wolf vom Jugendhilfeausschuss nannte etwa die Projekte 'Erste Schritte' (Begleitung sehr junger Eltern durch eine Sozialpädagogin) und 'Fit for Job' (Unterstützung von Jugendlichen, die keinen Schulabschluss schaffen).

Die Stadt Lindau gibt laut Oberbürgermeisterin Petra Seidl ordentlich Geld aus für Kinder und Jugendliche. 'Wir haben die Schulsozialarbeit eingeführt, lange bevor es Förderungen gab', erklärte sie. Für die Jugendarbeit habe sich die Stadt mit der Firma 'Synergie' einen professionellen Partner geholt.

In der Stadt Leutkirch, so erklärte Landratskandidat Elmar Stegmann, seien auffällige jugendliche Kasachen sinnvoll beschäftigt worden, indem sie gemeinsam mit Handwerkern ein baufälliges Haus ausgebaut hätten. 'Seit 2005 gab es in diesem Kreis keine Straftaten mehr'.

Dass gutgemeinte Hilfsansätze oft nicht mehr sind als ein Tropfen auf den heißen Stein, ging aus den Wortmeldungen hervor. Eine Sonderschullehrerin beklagte: 'Wir haben ein riesiges Problem, unsere Kinder unterzukriegen. Aus den Vereinen fliegen sie raus, weil sie sich danebenbenehmen. Aus der Hausaufgabenbetreuung fliegen sie raus, weil sie zu langsam arbeiten. An unserer Schule hat die Sozialarbeiterin für jede Klasse 20 Minuten in der Woche Zeit. In Wirklichkeit bräuchten wir einen Sozialarbeiter für jede Klasse.'

Erwin Unseld, Schulleiter der Grundschule Lindau-Reutin sagte: 'Wir sind schon in der Phase der Reparaturarbeiten'. Bei der Integration ausländischer Kinder sei viel zu lange gewartet worden, dass sich das Problem von selbst löse. Viel zu spät sei erkannt worden, dass Integration nur über Sprache funktioniere. Ein Zuhörer berichtete vom Sportplatz bei der Berufsschule, der für Schüler nicht geöffnet werden könne, weil sich Anlieger gestört fühlten. 'Dann gehen sie auf den Parkplatz mit ihrem Ghettoplaster und einer Kiste Bier.'

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