Gestellte und echte Gewaltszenen an Schulen gefilmt

Von Sabine Beck | Kempten Für die einen war 'alles nur Spaß', bei den anderen bitterer Ernst: Zwei Fälle von Schlägereien an Kemptener Schulen beschäftigen derzeit die Polizei. An der Realschule an der Salzstraße spielten vier Neuntklässler eine Prügelszene, die ein weiterer Schüler mit dem Handy filmte - und anschließend ins Internet stellte. An einer Grundschule dagegen ging es laut Polizei richtig zur Sache: Vier Zehn- bis Zwölfjährige verabredeten sich morgens vor dem Sportunterricht zu einer Schlägerei, die ein fünftes Kind mit einer kleinen Kamera filmen sollte.

Mit Armen und Beinen, beschreibt Ulrich Müller von der Polizeiinspektion, gingen die Grundschüler aufeinander los. Ernsthaft verletzt wurde dabei zwar niemand. Dennoch ermitteln die Beamten und haben den Fall mittlerweile ans Jugendamt übergeben, weil die Grundschüler strafrechtlich noch nicht belangt werden können.

Um keine echte Prügelei, sondern um eine nachgestellte Szene handelt es sich bei dem Fall an der Realschule. Wie Rektor Hans-Georg Fink erläutert, ereignete sich die Sache vor dem Unterricht in einem Klassenzimmer: Drei Neuntklässler taten so, als ob sie einen Klassenkameraden verprügeln, während ein weiterer die Szene filmte. Der 15-jährige 'Kameramann' stellte das Video dann - ohne das Wissen der anderen - ins Internet, wo es durch Zufall von der Mutter des 'Opfers' entdeckt wurde. 'Sie war entsetzt', schildert Fink und auch, dass sie sofort zur Polizei ging. Zumal an dem Video nicht erkennbar gewesen sei, dass alles nur nachgestellt war.

Warum tun Jugendliche so etwas? 'Es sei alles nur Spaß gewesen', zitiert Klassenlehrerin Petra Kainz die 15- und 16-Jährigen - die sie bisher übrigens als 'kooperativ, integrativ und ordentlich' eingeschätzt hatte und die sie ausgiebig zu dem Vorfall befragt hat. Allerdings ein Spaß, der für die Jugendlichen Konsequenzen haben wird. Zumindest für den 15-Jährigen, der das Video ins Netz stellte. Gegen ihn wird wegen Verstoßes gegen das Urheberrecht ermittelt und auch die Schule will reagieren: 'Der Schüler hat mehrere seiner schulischen Pflichten verletzt und durch die Verbreitung mit Name und Klasse den Ruf der Schule geschädigt', sagt Rektor Fink. Die Lehrerkonferenz und der Disziplinarausschuss werden sich nun über weitere Schritte beraten.

Das Video ist laut Polizist Müller mittlerweile wieder aus dem Netz getilgt. Zwar seien der Polizei bislang keine weiteren derartigen Fälle aus Kempten bekannt. 'Aber es ist erschreckend, wie viele solcher Videos sich im Internet finden.'

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