Lindau / Westallgäu
Geständnis nicht abgenommen

Noch zu keinem Urteil ist das Amtsgericht Lindau in der Verhandlung gegen einen 30-jährigen Fliesenleger gekommen. Und das trotz verdoppelter Verhandlungszeit und zusätzlicher Zeugen, die ursprünglich nicht geladen waren.

Einer der Zeugen gestand eine der beiden Taten - was ihm Richterin Ursula Richter aber nicht abnahm.

Gleich in zwei Schlägereien war der Angeklagte verwickelt, der jetzt vor Gericht zu erscheinen hatte. Sowohl auf dem Heiberfest in Bösenreutin als auch nach dem närrischen Nachtsprung in Oberreitnau sei er ohne eigenes Zutun angegriffen worden. In den Anklageschriften las sich das freilich anders.

Gedächtnisverlust

Das Geschehen nach dem Nacht sprung in Oberreitnau bleibt wohl ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, dort eine Frau geschlagen zu haben.Da sowohl die geschlagene Frau als auch die geladenen Zeugen keinerlei Angaben machen konnten und sich auf den alkoholbedingten Gedächtnisverlust beriefen, deutete die Richterin eine Einstellung dieses Verfahrens an.

Deutlich mehr hatten die Zeugen zum Vorfall auf dem Heiberfest in Bösenreutin zu sagen. Der Bruder seiner Freundin sei von einer Gruppe Skinheads angegangen worden, sodass er zur Hilfe eilte. Den Vorwurf, einem 25-jährigen Westallgäuer aus dieser Gruppe ein Bierglas auf den Kopf geschlagen zu haben, wies der Angeklagte zurück: «Das würde ich nie tun».

Richterin Ursula Richter erinnerte ihn an seine Vorstrafen: Fünfmal wurde der Angeklagte in den letzten elf Jahren verurteilt, zweimal aufgrund einer Körperverletzung.

Die aus dem Westallgäu, Marburg und Berlin geladenen Zeugen stellten den Verlauf der Ereignisse auf dem Heiberfest anders dar. Demnach sei nur ein Rechtsradikaler aus Vorarlberg zugegen gewesen. Mit ihm habe man nur kurz gesprochen, erklärten alle Zeugen übereinstimmend.

Übereinstimmend waren die Aussagen auch darin, dass das eigentliche Geschehen nur wenige Sekunden gedauert habe. Am Ende stand der 25-jährige Westallgäuer mit einer blutenden Platzwunde am Kopf da, die mit sieben Stichen genäht werden musste. Nur ein Zeuge gab an, den Angeklagten beim Zuschlagen gesehen zu haben.

Die Verhandlungszeit war auf anderthalb Stunden angesetzt - und auch nach drei Stunden war die Beweisaufnahme nicht abgeschlossen.

Überraschendes Geständnis

Das lag nicht zuletzt am letzten Zeugen, der vom Gericht nicht geladen, aber auf Wunsch des Verteidigers dennoch aus Berlin nach Lindau gekommen war. Und er, der Bruder des Freundes der Angeklagten, überraschte am Ende des Prozesstages mit einem Geständnis. Er sei es gewesen, der mit seinem Glas das Opfer unabsichtlich getroffen habe.

Vielmehr sei er geschlagen worden, woraufhin ihm das Glas aus der Hand gestoßen wurde und den Kopf des Opfers traf.

Diese Schilderung des Ablaufs überzeugte Richterin Ursula Richter freilich nicht: «Dieses Geständnis nehme ich ihnen nicht ab». Der Zeuge soll Gelegenheit erhalten, über seine Aussage nachzudenken und so möglicherweise eine Falschaussage zu korrigieren.

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