Lindenberg
Geschälte Äste als Slalomstangen

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Einst hatte der Verein ein Jahresbudget von sechs Millionen Reichsmark. Während der Inflation war das, als der Mitgliedsbeitrag auch von drei auf 6000 Reichsmark angehoben werden musste. Später, in den 70ern, mussten die Skifahrer zu Beginn der Wintersaison zehn geschälte Äste mitbringen, da der Verein keine Slalomstangen für das Training besaß - oder eben zehn Mark Strafe zahlen. Überliefert werden aber auch kuriose Wetten wie die eines Mitglieds, das nachts nur in Socken vom Stilfser Joch ins Tal abgestiegen ist und dadurch eine Kiste Wein gewann.

Anekdoten wie diese hat Vorsitzender Frank Reisinger zum 100-jährigen Bestehen des Skiclubs Lindenberg in der Chronik gefundnen. Höhen und Tiefen hat der Verein seitdem erlebt, der derzeit gut 150 Mitglieder zählt. «Es waren schon mal mehr», sagt Reisinger, der das Ehrenamt im Jahr 2000 übernommen hatte. Vor allem im Nachwuchsbereich muss der SC Lindenberg derzeit eine Talsohle durchschreiten. «Skifahren ist eben teuer. Und die Konkurrenzangebote werden nicht weniger», hat er festgestellt. «Und dann jeden Samstag und Sonntag früh aufstehen - da müssen die Eltern auf Dauer auch mitspielen.» Mit Bastian Stürmer, den Zwillingen Stefan und Philipp Schmid und aktuell Skicrosserin Sarah Reisinger hat der Verein allerdings in der jüngsten Vergangenheit einige Talente herausgebracht, die auf nationaler Ebene für Aufsehen sorgen konnten.

An diese Erfolge will der Verein natürlich anknüpfen. Laut Reisinger gibt es deshalb vage Überlegungen, ein Angebot «Sport nach 1» an einer der Lindenberger Schule durchzuführen. «Bisher haben wir uns allerdings noch nicht durchringen können.»

«Wir stehen finanziell gut da. Wir haben eine stabile Struktur, können Trainingsbetrieb und unsere Garage bezahlen. Da haben meine Vorgänger gute Arbeit geleistet», sagt Reisinger. Deshalb will der Verein, der keinen eigenen Lift hat und zum Trainingsbetrieb nach Thalkirchdorf und Steibis ausweicht, auch weiterhin selbstständig bleiben. Wichtigste Einnahmequelle ist seit vielen Jahren das Stadtfest.

Obwohl der «Geburtstag» des Vereins auf den 25. Februar fällt, wird aktuell noch nicht gefeiert, da der Trainings- und Rennbetrieb alle Mitglieder fordert. Dafür läuft die Stadtmeisterschaft am kommenden Samstag als Jubiläumsrennen. Der offizielle Festakt wird dann am 23. Oktober nachgeholt.

Verwehrt wurde das erhoffte Geschenk zum Jubiläum: Aushängeschild Sarah Reisinger (20) hat im Skicross die Qualifikation zu den Olympischen Spielen verpasst. Mit Platz 20 und 22 im Weltcup hat sie Anforderungen (zweimal in den Top 16) knapp verfehlt. «Schade, das hätten wir uns natürlich gewünscht», beurteilt Reisinger das Abschneiden seiner Tochter, deren Vertrag bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr noch bis Ende Oktober läuft.

Der Verein im Internet:

www.sc-lindenberg.de

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