Kempten / Oberallgäu
Gesang, Pastete und viele Emotionen

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Morgen, an Heiligabend, werden die Kirchen wieder gefüllt sein wie das ganze Jahr über nicht. Zauber und Lichterglanz der Heiligen Nacht bewegen auch glaubensfernere Menschen. Aber natürlich besonders diejenigen, die von der Menschwerdung Christi an vorderster Linie künden, sind mit vielen Emotionen bei der Sache: Die Pfarrer. Die AZ besuchte drei Geistliche, die auch verrieten, wie sie ganz privat das Weihnachtsfest feiern.

Seinen eigenen Christbaum hat Helmut Guggemos aus dem Pfarrwald. Und das Christbaumschmücken ist «Chefsache». Vor allem, wenn er die von Schwester Barbara gebastelten Strohsterne hinhängt, schwelgt der Dietmannsrieder Geistliche in Kindheitserinnerungen: So konnte er als Neunjähriger der andächtigen Zeremonie kurz vor der Bescherung einfach nicht mehr folgen - denn die Mama hatte das von ihm so heiß ersehnte Kettcar nicht gut genug versteckt.

Heute sind die Geschenke bescheidener. Zwischen Kinder- und Christmette wird sich Guggemos mit Pater Daniel und Pfarrhaushälterin Carmen Renk zusammentun. Im Mittelpunkt der drei Gitarrenspieler wird das Singen und Beten stehen. Zum Essen gibts Pastete mit Putenfüllung. Am Vormittag des Heiligen Abends wird Guggemos die Pflegeabteilung des Seniorenwohnheims besuchen und die Weihnachtskommunion spenden.

Das gehört für ihn zu den «bewegendsten Augenblicken». Am 25. dann wird der Pfarrer seine Eltern in Seeg besuchen, wo er mit sechs Geschwistern aufgewachsen ist.

Eine ganz besondere Krippe

25 Jahre lang war der Sulzberger Pfarrer Maurus Mayer in die Benediktinerabtei Ottobeuren eingebunden, ehe er 2006 als Seelsorger nach Sulzberg kam. Nach der Kindermette wird er mit seiner Pfarrhaushälterin Elisabeth Eisenschmid das Weihnachtsevangelium lesen und Lieder singen. Körperliche Stärkung soll ein «aufwendiger Toast» bieten. Kurz vor der kleinen Bescherung wird der Geistliche das Christuskind in die Arme der Gottesmutter legen - in einer Krippe, die sein Vater geschnitzt hatte. Der war übrigens Lehrer, Chorleiter und Organist in Waldkirch bei Burgau.

Weil Chorproben in der Lehrerwohnung stattfanden, hat Maurus die Pastoralmesse von Karl Kempter schon als Kleinkind «eingesogen». Auch in der Sulzberger Kirche wird man morgen diese «Christkindmesse» aufführen.

Nur an das (weltliche) Christkind glaubte Pfarrer Mayer schon als Dreikäsehoch nicht mehr: Seine Mutter hatte Geschenke aus einem Schrank geholt und dabei den Buben hinter sich nicht bemerkt. Am ersten Weihnachtsfeiertag wird Hochwürden seine Mutter besuchen, bevor er abends beim Vespergottesdienst in Ottobeuren an der Basilika-Orgel sitzen wird.

Proben für das Hirtenspiel

Johanna (7) und Pauline (4) strahlen wie die Honigkuchenpferde. Dürfen sie doch mit Papa Michael Stritar, Pfarrer in der evangelischen Christusgemeinde in Sankt Mang, den Weihnachtsbaum des Gotteshauses schmücken. Auch Mama Nicola Stritar assistiert, ehe sie mit ihren Töchtern und anderen Mädchen das Hirtenspiel für den Heiligen Abend einübt. Papa erinnert sich daran, wie er als kleiner Bub den abweisenden Wirt gespielt hat: Gleich so ungestüm, dass die Hausfassade aus Pappe umstürzte.

Nach drei Gottesdiensten an Heiligabend (Stritar ist auch in Durach Seelsorger) genießt die Familie Kartoffelsalat und Würstchen. Schließlich gibt ein Glöcklein das Signal und dann wird gesungen. Bevor die Töchter ihre Geschenke bekommen, kündet Pfarrer Stritar vom Wunder der Heiligen Nacht. «Wir müssen den Menschgewordenen nicht im Himmel suchen», sagt der Geistliche.

«Wichtig ist vielmehr, dass wir Mitmenschen die Weihnachtsfreude spüren lassen.»

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