Generationen Kochen und Nähen gelehrt

Burgberg (vk). Ob es nun die köstlichen Schmalzbrote waren, mit frischem Schnittlauch bestreut, oder die Pastetchen mit delikater Gemüsefüllung oder kleine Kuchen und Gebäck wenn in den vergangenen zehn Jahren im Gymnasium Sonthofen ein Elternsprechabend anstand, eine Theatervorstellung oder der Talentschuppen Musik in der Aula, erwartete jeden Besucher stets ein zweifaches Vergnügen. Denn in den Pausen stand der gute Geist der Schule, Friederike Weiß, mit einem Schülerteam freundlich lächelnd am Buffet. In diesen Tagen wurde die Lehrerin für Hauswirtschaft und Handarbeit nach 43 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet. Generationen von Schülern hat die vierfache Mutter in der Dekade am Gymi beigebracht, aus einem ungeordneten Haufen an Zutaten leckere Speisen und aus Stoffresten farbenfrohe Quilts oder Blusen und Röcke zu zaubern. Rund 3000 Schüler, hat die beliebte Lehrerin nachgerechnet, haben bei ihr Kochen und Nähen gelernt. Unterrichtsfächer, die an dem ursprünglich mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium auch als Wahlfächer durchaus nicht selbstverständlich waren. Doch Fritzi Weiß, die nach dem Bau des Schulgebäudes Anfang der 70er Jahre als Lehrerin für Handarbeit und Kurzschrift von Oberstdorf nach Sonthofen wechselte, hatte dem neuen Direktor, Alfred Sommer, in solch leuchtenden Farben den Segen der Kochkunst geschildert, dass er die Idee eines hauswirtschaftlichen Wahlfachs ganz hervorragend fand.

Zunächst, erinnert sich die 63-Jährige, war sie mit ihren Schülern in der Realschule zu Gast. Als dort eine neue Küche eingebaut wurde, übernahm das Gymnasium die ausgemusterten Teile und verwandelte die bereits vorhandene Teeküche mit tatkräftiger Hilfe des Bauhofs in eine respektable Schulküche. Dabei ist Fachoberlehrerin Friederike Weiß eigentlich kein ausgesprochenes Naturtalent. Als Kind, lächelt sie, war sie sehr ungeschickt in Handarbeiten und musste mehr als einmal auf die Hilfe der älteren Schwester vertrauen. Auch mit dem Kochen tat sich die Internatsschülerin aus dem Oberbayerischen anfangs recht schwer. Das einzige Gericht, was ihr auch schon als Jugendliche gelang, waren Kartoffelmaultaschen mit einer Apfelfüllung. Heute hat die ehemalige Leiterin der Schulküche eher Probleme mit den Mengen. Meine Frau kann gut kochen, pflegt Ehemann Georg zu sagen, aber nicht für zwei. Nach dem Weggang von Friederike Weiß wird das Fach Handarbeiten am Gymnasium nicht mehr angeboten, zwei Schülermütter unterweisen gegen Bezahlung interessierte Kinder im Umgang mit dem Kochlöffel.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018