Gen-Mais ab heuer im Ostallgäu möglich

Von Markus Frobenius, Kaufbeuren/Ostallgäu - Ab heuer könnten theoretisch im Ostallgäu gentechnisch veränderte Pflanzen (zum Beispiel Mais) angebaut werden. Die Bundesregierung will im Februar das entsprechende Gesetz zur Gentechnik in der Landwirtschaft verabschieden. Das wird bei den hiesigen Bauern, egal ob konventionell oder biologisch wirtschaftend, mit gemischten Gefühlen gesehen. Wenn nämlich Gen-Mais neben normalem Mais angebaut wird, kann es schnell zu ungewollten Kreuzungen kommen, sagen Experten. Und das wäre das Ende für so manchen Biobauer, der sich letztlich verpflichtet hat, keine genetisch veränderten Pflanzen zu nutzen, so der Geschäftsführer vom Biokreis, Josef Brunnbauer. Man müsse erst einmal abwarten: Im südlichen Ostallgäu spiele genveränderter Mais 'momentan keine Rolle: Der Anbau ist aus betrieblichen und klimatischen Gründen nicht relevant', erläutert Bernhard Meier vom Landwirtschaftsamt Kaufbeuren. Auch den Umweg, dass Gen-Mais als Futtermittel in das Ostallgäu kommt, kann sich Meier zur Zeit nicht vorstellen. Die Lieferanten hätten es derzeit nicht in ihrem Programm. Nördlich von Germaringen hingegen gäbe es Ackerflächen, auf denen der Anbau von Gen-Mais möglich sei, sagt der stellvertretende Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) Ostallgäu, Josef Amberger, der für das nördliche Ostallgäu zuständig ist. Dort würden einige Landwirte Gen-Mais 'absolut ablehnen, während andere ihn aber wollen'. Kreisobmann Martin Keller, zuständig für das südliche Ostallgäu, hält von Gen-Mais überhaupt nichts. 'Die Kollegen sind verunsichert. Das hat überhaupt keine Zustimmung bei unseren Landwirten', sagt Keller.

Er befürchtet auch die Nebenwirkungen: 'Das ist doch alles noch nicht richtig erforscht.' Die rund 70 Ökobauern von Biokreis und die 108 von Bioland im Ostallgäu (zwei Verbände der Ökobauern) sind gegen die Nutzung von Gen-Mais. Sie verweisen beispielsweise auf Verhältnisse in Kanada, wo der Biobauernmarkt aufgrund von Auskreuzungen mit Gen-Mais zusammengebrochen sei. 'Die EU fordert, Gentechnik in der Landwirtschaft zu ermöglichen, gibt aber strenge Richtlinien für die Ökobauern vor. Wir müssen jetzt aufpassen, dass es nicht auf die Bauern abgewälzt wird', so Alois Sporer von Bioland. Seiner Ansicht nach müsse nicht der Gen-Mais-Bauer bei einer Schädigung des Biobauern haften - so, wie im Gesetz vorgesehen - sondern der Anbieter der Gentechnik. So sehen das übrigens auch konventionelle Bauern. Nach dem neuen Gesetz müsse nun ein 'Landwirt einen anderen Landwirt verklagen - das muss man sich mal vorstellen', regt Brunnbauer sich auf. Auch Amberger und Sporer sehen durch die Haftungsfrage 'den Frieden in den Dörfern ernsthaft gefährdet'. 'Aber die Einstellung des Verbrauchers ist auch wichtig: Der bestimmt nämlich, was in den Laden kommt. Und der Verbraucher ist sehr skeptisch gegenüber der Gen-Technik', so Amberger. Sporer glaubt das auch, deshalb 'wurden unsere Produkte bislang auch gekauft'. Allen sollte aber klar sein, 'dass man hier mit dem Feuer zündelt. Das Verursacherprinzip muss in vollem Umfang gegen die Hersteller der Gen-Technik angewandt werden', so Sporer.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018