Gemeinden wollten Bahnhöfe nicht

Oberallgäu | sir | Dass die Bahnhöfe von Dietmannsried, Jodbad Sulzbrunn und Oy-Mittelberg von der Deutschen Bahn an ein international tätiges Konsortium verkauft worden sind - wie weitere 487 Gebäude in Bayern - mag Bundespolitker aufschrecken. Die Verantwortlichen vor Ort überrascht das nicht: Den Gemeinden war schon vor Jahren ein Vorkaufsrecht eingeräumt worden. Kaufinteresse hatte niemand. Wir fragten nach den Gründen.

l Dietmannsried: Kein Geld in Flächen, die gehegt und gepflegt werden müssen, wollten die Zuständigen in Dietmannsried stecken. Laut Bürgermeister Hans-Peter Koch war der Gemeinde vor über zwei Jahren das Bahnhofsgebäude samt einem zirka 7000 Quadratmeter großen Fläche angeboten worden. Doch es handle sich 'keineswegs um ein Filetstück'. Um optisch eine Verbesserung zu erreichen, hätte die Gemeinde viel Geld in den Um- und Ausbau stecken müssen, sagt Koch. Dazu sei die Gemeinde nicht bereit gewesen.

Derzeit präsentierten sich die Grundstücke der Bahn in Dietmannsried in einem 'wenig attraktiven Zustand'. Eine Firma aus Wolfratshausen sei zwar mit der Pflege des Geländes beauftragt. Doch sie komme sowohl den Mäh- als auch Kehr- und Räumarbeiten meist nur nach mehrmaliger Aufforderung der Gemeinde nach, klagt Koch.

l Sulzberg: Da Jodbad Sulzbrunn kein Bahnhof sei, 'an dem Zigtausende von Gästen ankommen', habe auch die Gemeinde Sulzberg nicht zugegriffen, als die Deutsche Bahn die Empfangshalle verkaufen wollte. 'Der Bahnhof hat für uns eher eine untergeordnete Bedeutung', sagt Bürgermeister Thomas Hartmann. Er ist zudem der Meinung, dass sich die Bahn nicht aus der Verantwortung für ihre Bahngebäude und Strecken ziehen dürfe. Das sei jedoch im Gemeindegebiet von Sulzberg der Fall (eigener Bericht).

l Oy-Mittelberg: 'Der Bahnhof Oy-Mittelberg ist baulich in Ordnung', sagt Bürgermeister Theo Haslach. Er habe die Information vom Verkauf des Gebäudes Ende letzten Jahres erhalten. Dass die Gemeinde vor einigen Jahren die Gelegenheit gehabt habe, das Gebäude zu kaufen, weiß Bauamtsleiter Hubert Olbrich. Das Interesse sei aber gering gewesen. Momentan liefen in Oy Untersuchungen für eine Ortsplanung. Dabei werde auch der Bahnhofsbereich mit seinem großen, neuen Parkplatz eingebunden. Über künftige Nutzungs- und Gestaltungskonzepte will sich Haslach demnächst mit den neuen Besitzern zusammentun. Ein erstes Telefongespräch habe es bereits gegeben.

Der Bahnhof sei jedoch 'keine heruntergekommene Ecke'. Es gebe noch einen besetzten Schalter, einen kleinen Warteraum und einen Raum fürs Weichenstellen. Haslach ist guter Dinge, dort in Zusammenarbeit mit dem beauftragten Städteplaner und dem Gemeinderat eine attraktive Lösung zu finden.

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