Geldbombe verrät diebische Mitarbeiterin

Kaufbeuren(bbm). - 'Das stimmt gar nicht', erklärte eine 22-Jährige vor dem Jugendschöffengericht zur Anklageschrift, in der ihr vorgeworfen wurde, im Herbst 2002 als Mitarbeiterin einer Bäckerei in Kaufbeuren dreimal die Tageseinnahmen in Höhe von insgesamt rund 3200 Euro unterschlagen zu haben. Weil bei einer Hausdurchsuchung in ihrer Wohnung eine Geldbombe samt Abrechnungsbeleg entdeckt worden war, hatte das Gericht keinen Zweifel an der Schuld der bereits wegen Diebstahls vorbestraften jungen Frau. Sie wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt. Weil die junge Russlanddeutsche zur Tatzeit noch keine 21 Jahre alt war und bei ihr besonders aufgrund der Übersiedelung Entwicklungsrückstände nicht ausgeschlossen werden konnten, wurde sie nach Jugendrecht verurteilt. Als Bewährungsauflagen muss die Angeklagte 100 Stunden soziale Arbeit ableisten und an ihren ehemaligen Arbeitgeber eine finanzielle Wiedergutmachung in Höhe von 1800 Euro leisten. Bei den verschwundenen Tageseinnahmen war die Chefin des Unternehmens laut ihrer Zeugenaussage zunächst von einem Fehler der Bank beim Registrieren der damals verwendeten Geldbomben ausgegangen. Sie hatte der Angeklagten, die als Auszubildende im Betrieb tätig war, aber einige Wochen später wegen wiederholter Fehlzeiten in der Berufsschule gekündigt. Im August vergangenen Jahres sorgte dann ein Zufall für Aufklärung: Bei einer Kontrolle auf der B12 hielten Polizeibeamte die junge Frau an und stellten bei ihr frische Einstichstellen an den Armen fest. Auch ein Drogen-Schnelltest war positiv.

Daraufhin veranlasste der zuständige Staatsanwalt eine Hausdurchsuchung, bei der dann die Geldbombe in einer Tasche gefunden wurde. Der Staatsanwalt war ebenso wie das Gericht davon überzeugt, dass der Hintergrund der Taten eine Drogenproblematik war. Die Angeklagte versuchte zwar diesen Punkt herunterzuspielen und erklärte, sie habe lediglich manchmal Haschisch geraucht und 'Heroin probiert'. Gegen einen nur gelegentlichen Konsum sprach jedoch der auffallende Bruch im Verhalten der jungen Frau zum Zeitpunkt der Straftaten. Ihre Filialleiterin schilderte als Zeugin vor Gericht, dass es ab Sommer 2001 im Betrieb immer wieder Ärger gegeben habe. Außerdem habe öfters Geld gefehlt. Sie habe die Sorge gehabt, dass die junge Frau womöglich Drogen nahm. Als sie die Auszubildende darauf ansprach, habe diese alles abgestritten. Für den Richter sprach viel dafür, dass die Angeklagte seinerzeit 'für eine ganze Gruppe von Drogenabhängigen die Drecksarbeit gemacht hat und vielleicht eher ein Opfer als ein Täter war'. Dies hätte man bei einem Geständnis im Verfahren durchaus in Rechnung stellen können, aber das habe die Angeklagte nicht gewollt. Der Richter äußerte zwar die Befürchtung, dass es mit den Drogen auch nach der Verhandlung möglicherweise 'so läuft wie bisher'. Das Gericht hoffe aber doch, die junge Frau mit dem Urteil aufzurütteln und zu einem straffreien Leben zu motivieren.

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