Geld sichert Menschenwürde

Unterallgäu (mst). - Auch am Blindengeld will der Freistaat sparen. 'Doch unser Verband wird diese Kürzung nicht so ohne weiteres hinnehmen,' macht Kreisbeauftragte Tina Mußack vom Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund deutlich, 'denn dieses Geld gibt uns Freiheit und Unabhängigkeit und sichert auf diese Weise unsere Menschenwürde'. Es geht um 585 Euro im Monat, die einem Blinden laut Gesetz zustehen. Wofür ein Mensch, dessen Sehfähigkeit unter zwei Prozent liegt und der damit einen Anspruch auf das Blindengeld hat, diese 585 Euro braucht, macht Tina Mußack schnell deutlich: Wie soll ein Blinder seine Post lesen, wie soll er Formulare ohne Hilfe ausfüllen, wie soll er Kleidung kaufen oder sich in einem Supermarkt zurecht finden? Ob bei alltäglichen Verrichtungen, beim Spazieren gehen oder beim Sport - Blinde sind auf Hilfe angewiesen. 'Und wir wollen nicht immer nur Bittsteller sein,' sagt Tina Mußack. Das Geld vom Staat versetze Blinde in die Lage, für die notwendige Hilfe bezahlen zu können, statt um einen entsprechenden Gefallen bitten zu müssen. Noch etwas kommt laut Mußack hinzu: Blindengerechte Geräte sind oft viel teurer als die üblichen. Egal ob es etwa die sprechende Küchenwaage ist, die rund 150 Euro kostet, oder das 200 Seiten starke Buch, das in Blindenschrift gleich auf drei Bände anwächst und für das pro Band 40 Euro auf den Tisch geblättert werden müssen. Ein weiterer Kostenfaktor für Blinde ist das Taxi, auf das sie in vielen Fällen angewiesen sind.

Kampf um Unabhängigkeit 'Wir sind dankbar, dass uns das Blindengeld eine gewisse Unabhängigkeit ermöglicht', sagt die Kreisbeauftragte. Denn in aller Regel sei der monatliche Verdienst von blinden Menschen nicht gerade hoch. Viele ihrer Leidensgenossen seien weit unterhalb ihrer Fähigkeiten beschäftigt oder hätten gar keine Arbeit, betont Mußack. In Bayern wird das Blindengeld seit 1949 gezahlt und sei seitdem kontinuierlich angestiegen. Jetzt war zunächst von einer vollständigen Streichung die Rede. Dieses Vorhaben sei nun vom Tisch, ebenso wie die erwogene 30-prozentige Kürzung. Jetzt sei 'nur' noch von 15 Prozent die Rede. Doch auch das will der Verband, der in Memmingen und dem Landkreis Unterallgäu 80 Mitglieder hat und für weitaus mehr Betroffene kämpft, nicht so einfach hinnehmen. 'Man muss ja auch Angst haben, dass es mit den Kürzungen noch viel weitergeht', sagt Mußack. Demonstrationen sind angekündigt worden. Man habe sich auch an den Landtag und an etliche Landtagsabgeordnete gewandt, um sie für die Belange der Blinden zu sensibilisieren, ergänzt Mußack. i Wer Fragen hat oder ein Beratungsgespräch wünscht, kann sich unter der Nummer (08331)2217 direkt an die Kreisbeauftragte des Bayerischen Blindenbundes, Tina Mußack, wenden.

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