Marktoberdorf
Geister scheiden sich an gefälltem Gehölz

Für die einen war es Wäldchen mit Edellaubholz, für die anderen einfach nur Gestrüpp. Fakt ist jedenfalls, dass auf einem gut einen halben Hektar großen Gelände südlich des Reitstalls in Marktoberdorf Gehölz gefällt wurde. Der Grund: Ein Westallgäuer Solaranlagenbauer will auf dem Reitstalldach eine Fotovoltaikanlage errichten - sie ist inzwischen zur Hälfte fertig - und ließ sich dafür nach eigenem Bekunden vertraglich von der Stadt Verschattungsfreiheit garantieren.

Ihren Ausgang nahm die Geschichte, als mehrere Unternehmen auf ihn zukamen, um das Dach zu pachten, berichtet der Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins, Alfred Vogel. Weil dem Verein nur die Gebäude gehören, der Grund aber der Stadt, seien auch mit ihr Gespräche geführt worden.

Laut Bürgermeister Werner Himmer gab es die Zusage, «punktuell einige Bäume und Büsche zu entfernen. Die Firma hatte aber keine Zusage für einen Kahlschlag.»

Dagegen hätte sich auch die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Marktoberdorf gewehrt, die die städtischen Wälder für die Stadt betreut. Nach Angaben von Harald Husel, Förster und Berater der FBG, wurde die Fläche vor zehn Jahren eingeschlagen. Im Zuge der Wiederaufforstung sei auch Edellaubholz wie Esche und Ahorn gesetzt worden, am Waldrand Kirsche, Kastanie und Wildobst.

Für Husel ist es ein «Paradebeispiel für den gelungenen Umbau» von einer reinen Fichtenkultur in einen Laubholzmischbestand.

Der Bereich sei auch regelmäßig durchforstet worden, um gute Holzqualität zu erzielen, die sich auf dem Markt später hochpreisig verkaufen lasse. Dieser Plan sei nun durchkreuzt, weil die jungen Wurzeln nach der Fällaktion mehr oder weniger wild austreiben.

Ohnehin sei das Reitstalldach als Fläche für eine Fotovoltaikanlage ungeeignet, wenn auf der anderen Hangseite in absehbarer Zeit Bäume von 30 bis 40 Metern Höhe stehen werden, sagt Husel. Gegen das Ausräumen von Weiden und Ähnlichem im direkten Umgriff des Stalls sei nichts einzuwenden gewesen.

Mountainbiker im Wald aktiv

Der betroffene Teil des Gschlattwäldchens sei seit seiner Aufforstung vor zehn Jahren von der FBG nach betriebswirtschaftlichen und ökologischen Aspekten betrieben worden. Dem widerspricht allerdings nicht nur Alfred Vogel: «Da lag auch Müll drin.» Und einige Meter hätten Mountainbiker eine Rampe zwischen die Bäume gesetzt.

Auch Michael Leising, Inhaber von «Solar im Allgäu» in Lindenberg, erklärt: «Da war nichts durchforstet und gepflegt. Außerdem hatten wir den Rückhalt der Stadt. Wir durften unter der Auflage fällen, dass der Stadt keine Kosten entstehen.» Es steht somit Aussage gegen Aussage.

Beide Seiten arbeiten nach eigenem Bekunden an einer Klärung des Falls. Zumal der Stadt nach Angaben von Husel ein Schaden von 8000 Euro entstanden ist. Auf diese Summe kommt ein entsprechendes Gutachten. Wie auch immer die Sache ausgeht: «Es ist eine ärgerliche Geschichte», sagt der Bürgermeister.

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