Gefühlsausbrüche bleiben aus

Von Peter Schwarz Oberstdorf Der Bau einer Großen Ostzufahrt als Entlastungsstraße für den Oberstdorfer Osten hat bislang nicht einmal das Vorstadium einer Planung erreicht. Dennoch wollte Bürgermeister Thomas Müller die Anwohner entlang dieser potenziellen Umgehungsstraße so früh wie möglich darüber informieren, was nach einem positiven Grundsatzbeschluss des Rates Ende Oktober inzwischen geschehen ist. Den vielen Zuhörern wurden Denkmodelle, Überlegungen und Skizzen präsentiert. Viele Fragen richteten sich an die Experten. Heftige Gefühlsausbrüche und totale Ablehnung gab es nicht. Ungefähr ein Jahr Planungsphase, ein Jahr Bauzeit für den 1. Bauabschnitt des Landkreises Oberallgäu und ein Jahr für den schwierigsten Bereich im Nordosten entlang der Trettach mit einem 400 Meter langen Tunnel so wird es für die Osttangente angedacht. Seit Jahren ist das Projekt zumindest im Flächennutzungsplan eingezeichnet, wenn auch mit einer anderen nicht mehr genehmen Trassenführung. Ob überhaupt und wann die Baumaschinen nach dem jetzt favorisierten Modell von FW-Gemeinderat Martin Rees auffahren werden, steht freilich in den Sternen. Laut Bürgermeister Müller hat es zwar erste Gespräche mit dem Landkreis und mit der Regierung von Schwaben wegen einer finanziellen Beteiligung gegeben. Doch konnte der Rathauschef weder etwas zu den Baukosten noch zu winkenden Zuschüssen sagen. Es gibt aber einen Geldtopf des Freistaats Bayern für derartige Umgehungen. Ein weiteres Vorgespräch hat es mit den unmittelbaren Grundstückseigentümern gegeben. Mit dem internen Anlieger-Treffen jetzt wollte Müller kursierende Ängste unter den Betroffenen ausräumen. Wenn erst einmal weitere Planungsschritte eingeleitet sind, wird der Bürgermeister die Bürgerschaft insgesamt am Entstehungsprozess beteiligen, sicherte er zu. Zwischen Geiger-Kreisel (B19), Bahnschienen, Tennispark Karweidach und Kreisstraßen-Anschluss OA4 Richtung Schöllang (Kreisel?) wäre der Landkreis als Bauträger gefordert. Dabei müssten die Bahn unterquert sowie Stillach und Trettach überquert werden.

Die Baukosten für die Ein-Kilometer-Strecke werden auf 2,5 bis 3,5 Millionen Euro geschätzt, erklärte Tiefbauamtschef Bruno Müller (Landkreis). Erst ab Wohnwagen-Abstellplatz Rubi-Camp und jenseits von Trettach und Bannholz-Waldstück ist die Gemeinde am Zug. Ein Kreisel in der Nähe des Friedhofs und auf Höhe der Kleingärten soll Verkehr zum Gewerbegebiet Steinach abfließen lassen. Danach würde der Grüntunnel (möglichst kein offener Trog) beginnen. Die Unterführung müsste nicht völlig neu gegraben werden. Sie soll da entstehen, wo jetzt noch Wasser in einem Triebwerkskanal fließt. Eine zukünftige Druckrohrleitung parallel zur Tunneltrasse würde es ermöglichen, weiterhin Strom aus Wasserkraft zu erzeugen. Der Tunnel soll die Autos in der Nähe des Bauhofs wieder ans Tageslicht bringen. Gerade bei Bewohnern der Holzerstraße nahe dem Tunnelausgang gibt es beträchtliche Sorgen. Selbst wenn ein Lärmschutz entsteht, fürchtet man, hohe Betonwände vor die Nase gesetzt zu bekommen. Überhaupt stiegen schon viele Fragesteller in konkrete Punkte ein. Entstehen bei den Bauarbeiten Erschütterungen mit nachfolgenden Rissen in Häusern? Antwort: Nein, es werden moderne Baumethoden wie beim Tunnelbau in Münchner Wohngebieten angewandt. Müssen Grundstücke oberhalb des Tunnels geopfert werden? Antwort: Die Eintiefung führt nur bis zu den bestehenden Grenzen. Wo sollen die Kleingarten-Pächter hin? Antwort: Es muss nach einem neuen Areal gesucht werden. Wie wird der Tunnel entlüftet? Antwort: Wahrscheinlich in der Mitte, wo auch ein Notausstieg geschaffen werden muss. Bürgermeister Müller war mit dem sachlichen und emotionslosen Diskussionsverlauf zufrieden. Nur am Ortsverband der Grünen hatte er etwas auszusetzen. Die Partei hatte vor dem Treffen in einer Zeitungsanzeige alle Oberstdorfer aufgerufen, bei der internen Anhörung dabei zu sein.

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