Gefahren der Reise bestens gemeistert

Von unserem Redaktionsmitglied Klaus-Peter Mayr, Sulzberg - Das Euregio Blasorchester (EBO) entwickelt sich zum Dauerbrenner. Was keine Selbstverständlichkeit ist. Schon manchem Auswahlorchester ging nach einer Gründungs-Euphorie die Luft aus. Den 60 Musikerinnen und Musiker aus dem Oberallgäu und den angrenzenden Regionen passierte das bisher nicht, sie blasen munter weiter. Zu verdanken ist das nicht nur dem Elan der Musiker, sondern auch der Hartnäckigkeit des Projektleiters Simon Gehring, der Unterstützung des Landrats und Euregio-Präsidenten Gebhard Kaiser und der freigiebigen Treue von Sponsoren, allen voran des Dachziegelherstellers Creaton. Und so kann Johann Mösenbichler, der Dirigenten-Professor aus Linz, in Ruhe mit dem Klangkörper arbeiten, ein Repertoire aufbauen, das Niveau heben. Er ist auf gutem Weg, das wurde bei der Matinee des EBO vor mehreren hundert begeisterten Zuhörern im Sulzberger 'Hirsch' deutlich. Auch wenn dem Orchester die harten Probestunden anzumerken waren und deshalb ein wenig die Frische und Spannung fehlte, auch wenn der Saal akustisch höheren Anforderungen nicht genügte, so waren die sechs Stücke der musikalischen Reise doch höchst vergnüglich anzuhören. Das lag nicht nur am homogenen Sound des Orchesters und an dem Farbennreichtum, den es durch umfassende Besetzung bis hin zur Harfe entwickeln kann, sondern auch an der Stückauswahl. Mösenbichler griff sechs Perlen aus der reichhaltigen Höchststufen-Literatur heraus und reihte sie zu einer musikalischen Reise nach dem Motto 'Andere Länder, andere Sitten'. Eine Reise, durchaus verbunden mit Gefahren. Beispiel 1: Der Kaiserwalzer von Johann Strauß. Es ist immer problematisch, dessen streicherselige Werke auf Blasorchester zu übertragen.

Wenige schaffen es, die Leichtigkeit und Luftigkeit herüber zu retten. Dem Österreicher Mösenbichler gelang es, das EBO traf über weite Strecken den richtigen Ton. Nur in den solistisch geprägten Schlusspassagen ließ die Spannung nach. Beispiel 2: Die japanischen Klangbilder von Soichi Kongaya. Dieses Stück ist eine richtige Entdeckung - und eine Herausforderung für jedes Blasorchester. Denn anfangs müssen vor allem Klangwolken abseits der gewohnten Harmonik und Melodik geworfen werden. Beispiel 3: El Camino Real, ein 'Klassiker' der sinfonischen Blasmusik. Alfred Reed variierte seine souveräne, einfallsreiche Art des Komponierens auf spanische Weise. Vor allem den Mittelteil, ein Kleinod mit zarten Oboen- und Harfenklängen, kann man komplett 'versieben'. Das EBO machte das Gegenteil: Es gestaltete ihn mit fesselnder Intensität. Da war von anstrengenden Proben rein gar nichts mehr zu spüren. i Wer das Euregio Blasorchester hören möchte, hat dazu am Donnerstag, 1. April, Gelegenheit. Ab 20.30 Uhr spielt es zur Eröffnung der Internationalen Walser Dialoge im Walserhaus Hirschegg.

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