Memmingen
Gefährliches Desinteresse

Fünfzehn Jungs einer achten Hauptschulklasse sitzen in einem Stuhlkreis. Sie zeigen sich gegenseitig Comiczeichnungen und lachen dabei. Immer wieder tippen sie mit ihren Fingern auf die Abbildungen. «Was machen die denn da? Was soll denn das sein? Die sind ja nackt!», schallt es aus den verschiedenen Ecken.

«Die Piktogramme zeigen verschiedene Alltagssituationen, bei denen man sich mit dem HI-Virus (siehe Infokasten) anstecken kann oder auch nicht», sagt Sabrina Sendlinger: «Beim Geschlechtsverkehr kann es passieren, beim Küssen nicht.» Die Sozialpädagogin ist an diesem Morgen an eine Memminger Schule gekommen, um im Rahmen einer Aids-Präventionsoffensive das Thema HIV zu behandeln. Unter dem Motto «Vom Küssen kriegt mans nicht» beraten Sendlinger vom Zentrum für Aidsarbeit Schwaben (ZAS) der Arbeiterwohlfahrt und Ulrike Binder von der Memminger Schwangeren-Beratungsstelle Donum Vitae die Schüler.

Immer wieder versucht Sendlinger, Zeichnungen zu besprechen und verschiedene Ansteckungsmöglichkeiten zu erklären - leicht verständlich und mit freundlicher Stimme. Die Achtklässler interessiert das wenig. Sie lachen, machen Witze. Statt ernster Beiträge stellen sie läppische Fragen. «Kann man sich beim Geschlechtsverkehr mit der Schweinegrippe anstecken?», will einer wissen. Ein anderer erkundigt sich nach «den besten Sexualpraktiken». Sendlinger bleibt gelassen. «Ich bin hier, um euch über eine wirklich schlimme Krankheit aufzuklären», sagt sie. «Fragen zur Sexualität wird Euch nachher eine Sexualpädagogin beantworten.»

Dann fährt sie fort: «Wie kann man sich vor der Krankheit schützen? Und wie viele Menschen sind weltweit mit dem tödlichen Virus infiziert?» Vereinzelte Schüler geben Antworten, andere schenken der Sozialpädagogin keine Aufmerksamkeit. Sie sprechen über Mädchen und Geschlechtsverkehr. Über HIV haben sich die Achtklässler allerdings bislang keine Gedanken gemacht.

«Für mich war diese Klasse eine absolute Ausnahme», sagt Sendlinger nach der Stunde. Klar, es gebe oftmals schwierige Klassen, aber solche Schüler habe sie noch nicht erlebt. Trotzdem ist sich die Sozialpädagogin sicher: «Diejenigen, die das Thema interessiert hat, haben etwas über HIV gelernt.»

«Wo ist das Jungfernhäutchen?»

Nach der Pause steht Sexualpädagogik für die Achtklässler auf dem Stundenplan. Jetzt aufgeweckt und interessiert löchern sie die Sozialpädagogin mit Fragen: «Wo ist das Jungfernhäutchen? Bis zu welchem Alter wächst der Penis? Wie gebraucht man ein Kondom?» Gespannt lauschen sie Binders Antworten.

Mit Geschlechtsteilen aus Plüsch versucht die Sozialpädagogin Frage für Frage zu erklären - einfach und verständlich. Den jungen Männern gefällts. «Die Schüler haben offen gesprochen», resümiert Binder. Ihr Ziel sei es gewesen, Falschinformationen zu korrigieren, Ängste zu nehmen und Orientierung zu geben. «Das hat ganz gut funktioniert».

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