Gedrückte Stimmung nach Anschlag

Kaufbeuren/Madrid(rö). - Die Stimmung ist gedrückt. Zwar haben Bernhard Pohl und eine Gruppe Kaufbeurer, die zum Champions League-Spiel der Bayern in Madrid waren, von den Terroranschlägen auch nur durch das Fernsehen erfahren. Sie haben ihren mehrtägigen Stadtbesuch, der am heutigen Samstag endet, deswegen auch nicht abgebrochen. Aber richtige Urlaubslaune will nicht mehr aufkommen. 'Irgendwo ist da im Hinterkopf schon auch der Gedanke: Was wäre gewesen, wenn die Bomben am Abend im Bernabeu-Stadion hochgegangen wären, bei 80000 Zuschauern?', so Bernhard Pohl. Durch Nachrichten im Fernsehen und Gespräche beim Frühstück in ihrem Hotel in der Nähe des Flughafens erfuhren die Kaufbeurer am Morgen nach dem Spiel von den Attentaten. 'Da hieß es: Die ETA ist vermutlich verantwortlich.' Da war die Rede von rund 30 Toten. '11. September - 11. März' habe dagegen spontan einer aus ihrer Gruppe eine andere Vermutung gehabt. Nachdem die Kaufbeurer zu Hause Bescheid gesagt hatten, dass es ihnen gut geht, fuhren sie trotz der Nachrichten wie geplant in die Innenstadt - allerdings nicht mit der U-Bahn, sondern mit dem Taxi. Der Taxifahrer wusste zu diesem Zeitpunkt schon von 133 Toten und 13 Bomben in den Bahnhöfen. Angst hätten sie aber nicht gehabt, sagt Pohl. 'Klar, das Gefühl ist schlecht.

Es ist ja auch nie auszuschließen, dass noch irgendwo eine Bombe hochgeht. Aber Madrid ist eine Stadt mit was-weiß-ich-wieviel Quadratkilometern.' Außerdem seien die Sicherheitsvorkehrungen nach einem Attentat in der Regel besonders hoch. 'Es war eine zwiegespaltene Stimmung, denn Madrid ist eigentlich eine so wunderschöne Stadt ' Es habe es auch keinerlei Chaos gegeben. 'Mir ist nur aufgefallen, dass vergleichsweise viel Feuerwehr unterwegs war.' Sicher, in den meisten Cafés lief der Fernseher, viele verfolgten dort die neuesten Nachrichten. 'Es hat wohl auch diverse Demonstrationen gegen Terror in der Innenstadt gegeben', weiß Pohl. Doch insgesamt 'war alles relativ ruhig, wie unwirklich. Als ob viele das gar nicht so richtig registriert hätten.' Das tägliche Leben sei, so der Eindruck der Kaufbeurer, vielfach weitergelaufen wie immer. In die Nähe der betroffenen Bahnhöfe 'sind wir aber natürlich nicht gegangen', so Pohl. Der 39-Jährige ist der einzige der Gruppe, der mit seinem Auto nach Madrid gefahren ist, die anderen sind geflogen. Eigentlich eine zufällige und kurzfristige Entscheidung, sagt Pohl. 'Aber im Nachhinein bin ich ganz froh. Wenn ich am Samstag wie die anderen in den Flieger hätte steigen müssen - ehrlich, ich glaube, dann hätte mich doch ein mulmiges Gefühl beschlichen - wer weiß, ob die Kontrollen auf den Flughäfen wirklich so gut sind?'

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