Allgäu
Gedrehtes Wachs zu Lichtmess

«Wenns an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit. Ist es aber klar und hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell.» Alte Bauernregel Lauchdorf Am 2. Februar endete früher das Weihnachtsfest oder wechselten Bedienstete ihren Arbeitgeber. Doch es ist auch der Tag der Kerzen. Diese wurden an Lichtmess geweiht. Waren sie früher in der Winterszeit aus dem Talg der im Herbst geschlachteten Tieren gefertigt, wurden sie seit dem 17. Jahrhundert aus gedrehtem Wachs hergestellt. Die Lauchdorfer Anton (47) und Angela Stumpe (50) besitzen eine große Anzahl dieser Wachsstöcke.

Unikate in vielen Formen

Ihre Sammlung umfasst etwa 150 Stücke. Sie gilt als teilweise historisch mit Unikaten aus dem 19. Jahrhundert. «Wachsstöcke gibt es in den verschiedensten Formen und Ausführungen», erklärt Anton Stumpe. Sie spielten einst eine prominente Rolle im Leben der Menschen, weshalb ihre Weihe zu Lichtmess wichtig war. Denn sie dienten sowohl frommen als auch praktischen Zwecken und wurden in allen sozialen Schichten genutzt. So leuchteten Wachsstöcke in den dunklen Zeiten des Alltags ohne Elektrizität, gaben Licht vor, während und nach Gottesdiensten oder Messen. Zudem wurden sie bei festlichen Momenten wie Hochzeiten oder Taufen verschenkt. «Die meisten Wachsstöcke waren für den alltäglichen Gebrauch. Die Schöneren hat man in Wäscheschränken aufgehoben und zu bestimmten Anlässen verschenkt», so Angela Stumpe.

Wachsstöcke bestehen aus schnurförmigen Kerzen mit Docht, die meist gerollt oder in Gebetsbuchform waren. Aber es konnten auch Herzen oder Sterne sein, mit Papierbildern oder bunten Wachsapplikationen verziert - in der Kaiserzeit gab es sogar welche mit dem Eisernen Kreuz. Heute werden Wachsstöcke nur noch selten hergestellt - von Wachsziehern, Kerzenmachern oder in Wallfahrtsorten. Bereits 542 wurde Lichtmess angeblich anstelle eines römischen Festtages eingeführt («Ein Licht, zu erleuchten die Heiden», so der Prophet Simeon). Dabei wurde der Darbietung Jesus von Maria im Tempel gedacht. In der Folgezeit wurde zu Lichtmess der Jahresbedarf an Kerzen geweiht. Sie sollten auch in der dunklen Jahreszeit das Gebetsbuch beleuchten oder gar als schwarze Wetterkerzen Unwetter abwehren, erläutert Anton Stumpe.

Doch die Bedeutung von Lichtmess nahm stetig ab: Durch die Elektrifizierung spielten Wachsstöcke oder Kerzen keine Rolle mehr - 1912 wurde der Tag als offizieller Feiertag abgeschafft.

Seiner Bedeutung als Ende der Weihnachtszeit wurde der Tag durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) verlustig - aber noch heute stehen Krippen oder Weihnachtsbäume bis zum 2. Februar. Auch als «Schlenkerltag» ist Lichtmess kaum bekannt: Dann wurden Knechte und Mägde ausgezahlt, wechselten ihre Arbeitsstelle oder wurden «freigestellt».

Die Stumpes dokumentieren mit ihrer Sammlung auch einstige Bräuche. Sie sammeln alles, was «kulturell interessant ist», so Anton Stumpe: religiöse Volkskunst, ländliches Brauchtum oder schlichte Alltagsgegenstände. Deshalb sammelt das Ehepaar neben Wachsstöcken auch Postkarten, Krippen oder allgemeine Heimatbelege.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019