Gaudiwurm mit Garden und Gespenstern

Von Christine Rothauscher und Ralf Lienert (Fotos), Kempten - Wo wippen Federboschen, tanzen Lackstiefel, lächeln fantasievolle Masken in die Runde, dröhnen fetzige Samba-Rhythmen? Klar, beim siebten Gaudiwurm der Faschingsgilde Rottach, der mit rund 40 Gruppen am Samstagnachmittag tausende Zuschauer in die Kemptener Innenstadt lockte. Was bei den als unterkühlt geltenden Allgäuern eher selten ist, war am Samstagnachmittag die Regel: ältere Herren hatten sich glitzernde Zylinder aufs graumelierte Haupt gesetzt, junge Frauen zogen als Gespenster verkleidet ihren Nachwuchs im Leiterwagen hinter sich her, wohlbeleibte Kumpels schunkelten als Wildecker Herzbuben übers Straßenpflaster. 'Des hat sicher mit dem warmen Saharalüftle zu tun', mutmaßte ein bunt maskierter 'Hästräger'. Die ockergelbe Wolke hatte sich aber bald verzogen. Und so tanzten unter frühlingshaftem Himmelblau die Prinzengarden aus Ronsberg und Kempten in schillerndem Satin; die Indianer der Lucky Mountain Ranch (aus Kempten-Süd) warfen pfundweise bunter Bonbons und Obernarr Horst Bräuninger strahlte angesichts der Menschenmassen mit der milden Februarsonne um die Wette.

Und nicht nur er: Da fährt Schumi alias Reiner Seele mit Siegerlächeln seinen knallroten Flitzer durch die Stadt, gemütliche Clowns wie fantasievoll gekleidete venezianische Karnevalsdamen winken und lächeln ins Publikum. Auch rund um die Festwägen hatten die Akteure vielerlei Spaßiges zu singen und zu sagen: Beispielsweise bot Kassiererin Frau Bissig selbst gedruckte Eintrittskarten für Big Box-Konzerte zu Spottpreisen an, 'weil die bisherigen Spitzenpreise ja bloß für a halbleere Box sorgen.' Der SV Heiligkreuz hatte sich diesen Gag ausgedacht und die Kempodium-Holzwürmer schlugen in die gleiche Kerbe: als wandelnde Schachteln demonstrierten sie für 'einen verbraucherfreundlichen Big-Box-Einsatz'. Ja, und wer hätte schon vorher gewusst, dass 'Die Roten' auf der Jagd nach 'schwarzen Hunden' sind? Diese Faschingsnummer hatte sich die SPD-Kempten-Nord einfallen lassen. Die Tierschutzgruppe Animal 2000 machte sich ihren kritischen Reim auf die Jäger: 'Hat man bei Mutti nichts zu sagen, muss man sonntags Hasen jagen.' So manche Tollitäten benachbarter Vereine gaben sich die Ehre bevor die Hausherren Prinz Ralf und Prinzessin Desiree den Schluss des Zuges bildeten. Dazwischen ließen es Spielmannszüge und Guggenmusiken bis zur Allgäuhalle krachen, wo sich Akteure und Besucher ruck, zuck zu einem fidel schunkelnden Narrenvolk vereinten.

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