Oberallgäu
Gastgeber haben mehr finanziellen Spielraum

Preise senken, investieren, zusätzliche Mitarbeiter einstellen oder doch zunächst einmal Rücklagen bei der Bank bilden? Diese Frage stellt sich jetzt für zahlreiche Gastgeber auch im südlichen Oberallgäu. Denn: Seit 1. Januar 2010 beträgt die Umsatzsteuer für Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben statt bisher 19 nur noch sieben Prozent. Frühstück und weitere Leistungen rund um die Nächtigungen sind davon ausgenommen und werden auch künftig mit 19 Prozent besteuert.

Wichtig, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen

Robert Frank, Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, betont: Die Mehrwertsteuersenkung sei überfällig gewesen, damit die Betriebe in der Region mit den Mitbewerbern im Alpenraum mithalten können. Langfristig würden die Gäste vor allem von einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis profitieren. Dieses sei extrem wichtig, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen.

Die Mehrwertsteuersenkung direkt an die Kunden weitergeben will man im Hotel Schellenberg Garni in Oberstdorf. «Uns ist es wichtig, dass auch die Gäste von der Mehrwertsteuersenkung bei Hotelübernachtungen profitieren. Daher senken wir die Preise ab Ende April um fünf Prozent», so Hotelier Peter Fischer.

In den Gästeämtern hofft man indes, dass die Vermieter das Geld nutzen, um langfristig die Qualität der Häuser zu verbessern. «Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt bei uns weitgehend», sagt etwa der Bad Hindelanger Kurdirektor Max Hillmeier. «Entscheidend ist, dass die Häuser mehr finanziellen Spielraum haben.»

Und tatsächlich wollen viele Betriebe in der Region die Mehrwertsteuersenkung nutzen, um langfristig in Qualität zu investieren - so etwa Claudia Berwanger vom «Berwanger Hof» in Obermaiselstein. Gäste seien bereit, einen fairen Preis zu zahlen - wenn die Qualität stimmt. Die Hotelchefin plant für 2010, das Frühstücksbuffet zu erneuern und Gästezimmer zu renovieren. Zudem will sie gezielt Mitarbeiter weiterbilden.

Gut ausgebildete und ausreichend Servicekräfte hält auch Benjamin Buhl, Pressesprecher der Oberstaufen Tourismus Marketing GmbH, für entscheidend - und hofft daher, dass viele Betriebe zusätzliche Mitarbeiter einstellen werden. «Der Service hat vielerorts gelitten», sagt er. Viele Häuser hatten versucht, mit weniger Personal auszukommen - dadurch blieb letztlich weniger Zeit für den einzelnen Gast. Der aber wolle im Urlaub keinen Stress - und sich von der ersten Minute an wohlfühlen.

Viele Kleinigkeiten sind es laut Hotelier Theodor Seidel vom Landhotel Berghof in Unterjoch, die den Urlaub stimmig machen. «Wir haben bereits eine zusätzliche Küchenhilfe eingestellt», erzählt er. Seine Erfahrung: Gäste schätzen liebevolle Aufmerksamkeiten wie etwa filetierte Orangen beim Frühstücksbuffet. Dafür aber sei entsprechendes Personal nötig.

Das befürwortet auch die Oberstdorfer Tourismusdirektorin Dr. Silvia Nolte: «Ich würde mir wünschen, dass die Betriebe einen Mehrwert schaffen für den Gast - das beginnt bereits bei kleinen Besonderheiten wie einer Praline auf dem Kopfkissen», sagt sie. Investitionen könnten vom Kleinen, Feinen bis hin zur großen Maßnahme reichen. Ihre Hoffnung zudem: «Vielleicht entsteht auch der ein oder andere neue Ausbildungsplatz.»

Neue Mitarbeiter und Renovierungsarbeiten

Neue Mitarbeiter sollen auch im Hotel «Zum Adler» in Oberstaufen eingestellt werden. Zudem will das Traditionshaus laut Agnes Rädler, Assistentin der Geschäftsleitung, ins Inventar investieren und Renovierungsarbeiten angehen. «Da haben wir mehr Puffer als bisher.»

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018