Kaufbeuren
Für eine Stunde «Lebensretter»

Es ist klirrend kalt. Maximilian schreit. «Wahrscheinlich ist er müde. Und zu kalt ist es ihm auch», meint Barbara Mattula. Die gelernte Krankenschwester fährt den Einjährigen an diesem Nachmittag in seinem Kinderwagen durch Kaufbeuren spazieren. Nur für eine Stunde. «Dann bringe ich ihn zu seiner Mutter zurück», fügt sie an.

Barbara Mattula ist eine der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Kinderschutzbundes Kaufbeuren. «Wir entlasten ein bis zweimal die Woche Mütter, indem wir in dieser Zeit ihre Kinder versorgen», erklärt sie. Für eine oder zwei Stunden spielen die Betreuerinnen mit den Kindern, lesen ihnen etwas vor oder wachen über den Schlaf von Babys. «Entscheidend ist, dass die Mutter Zeit hat, zum Beispiel in Ruhe einzukaufen», erläutert Mattula. Hintergrund ist das Projekt Wellcome (siehe Infokasten).

«Einfach zusammengeklappt»

Angelika Zanker kann das nur bestätigen: «Ich habe unbedingt jemanden gebraucht, der mich unterstützt», meint die Mutter von Maximilian. Im vergangenen Jahr sei sie im September «einfach zusammengeklappt».

Warum? «Schlafmangel, viel Stress - es war einfach alles zu viel», nennt die alleinerziehende Mutter die Gründe. Wenn man dauernd auf sein Kind achten muss und sich immer in Habtachtstellung befindet, ist das sehr anstrengend.

In Ruhe ein Bad nehmen

Seit einem halben Jahr fährt Barbara Mattula nun einmal in der Woche für eine Stunde Maximilian spazieren. «In der Zeit konnte ich mich einfach mal erholen, ein wenig schlafen oder in Ruhe ein Bad nehmen», erzählt Angelika Zanker. Seit kurzer Zeit muss sie auch ihren Umzug organisieren. «Die eine Stunde Entlastung war lebensrettend», ist die Mutter überzeugt.

Wer solch ein «Lebensretter» werden will, müsse keine außergewöhnlichen Voraussetzungen mitbringen, erklärt Barbara Mattula - die zugleich im Auftrag des Kinderschutzbundes ehrenamtliche Mitarbeiterinnen sucht, Bewerbungsgespräche führt und geeignete Kandidaten in Familien einsetzt. «Natürlich sollte man Kinder mögen und Erfahrung im Umgang mit ihnen haben», so Mattula weiter. Wer zum Beispiel selbst drei Kinder hat, habe im Prinzip ausreichende Vorkenntnisse. «Eine bestimmte Ausbildung ist nicht erforderlich», so Mattula. Letztlich entscheide sich in einem Vorstellungsgespräch, wer geeignet ist und wer nicht.

Die ehrenamtlichen Helferinnen besuchen dann auch Fortbildungen: «Eine Hebamme oder die ehemalige Leiterin der Säuglingsstation in Kaufbeuren haben schon Vorträge gehalten», erzählt Mattula.

Die Zeit, in der sie mit Maximilian jede Woche an der frischen Luft war, ist allerdings nun vorbei. «Maximilian ist jetzt ein Jahr alt. Damit endet die Betreuung», erklärt sie. Vorgesehen sei, speziell Mütter oder Familien zu entlasten, die ein Kind haben, das nicht älter als ein Jahr ist. «Es geht darum, beim Start zu helfen.» Ein bisschen traurig sei sie schon, dass die Zeit mit Maximilian nun vorbei ist. «Mir hat es Spaß gemacht, und es war nicht anstrengend», meint Mattula. Auch wenn manchmal eine bittere Kälte herrschte - und Maximilian protestiert hat.

Kontakt: Wer ehrenamtlicher Betreuer werden will oder nach Unterstützung beim «Baby-Stress» sucht, kann sich bei Barbara Mattula unter Telefon (08341) 62663 melden.

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