Für eine Ritterfigur auf die Schulmilch verzichtet

Sulzberg (mr). Schon als Kind baute Peter Weidinger Burgen aus Karton. Um sich die passenden Ritterfiguren (damals 50 Pfennig, mit Pferd 1,20 Mark) kaufen zu können, verzichtete er auf seine Schulmilch, für die er von Mutter elf Pfennig pro Tag bekam. Vor zwei Jahren ging der 62-jährige Weidinger in Ruhestand - und lässt seitdem seine Burgen-Passion neu aufleben. Sehr zur Freude der Sulzberger Burgfreunde, denn für den Verein hat er mittlerweile fünf Burgmodelle gebaut. Vier Modelle sind nebeneinander am Eingang des Sulzberger Bergfrieds zu bestaunen. Dargestellt wird das gemeindliche Wahrzeichen in vier Bauphasen, von der einfachen Turmburg (12. Jahrhundert) bis hin zum Jagdschloss (Mitte 16. Jahrhundert). Alles im Maßstab 1:160. Nur das Burgmodell für die Gemeinde - es ist am Aufgang zum 'Hirsch'-Saal zu bewundern - hat Weidinger noch größer (Maßstab 1:100) und stattlicher gebaut. Ob die einstigen Herren von 'Burg Sulziberch' ihre Anlage wieder erkennen würden? Peter Weidinger glaubt schon, dass er angesichts der vorliegenden Grundrisse von Horst Matzky, der Erkenntnisse von Grabungstechniker Peter Pfister und den Burgzeichnungen von Roger Mayrock seine Burgmodelle ziemlich nah an die historische Realität herankommen. Die praktische Umsetzung seiner Entwürfe waren für den 62-Jährigen ein Kinderspiel. Denn 45 Jahre lang arbeitete er in seinem 'Traumberuf' als Dekorateur. 'Und da musste man früher handwerklich so ziemlich alles können', betont Weidinger. Mit Styropor-Schichten formt er den Burgberg. Der 'Rohbau' erfolgt mit Karton. Darauf klebt er eine eineinhalb Millimeter dicke Schicht aus Balsaholz. Mit einem dünnen Gips-Auftrag erzielt der Bastler die typische Optik für Mauer und Dachziegel. Zum Schluss wird ganz normale Wandfarbe verwendet. Je nach Modell vergehen da 50 bis gut 200 Stunden wie im Flug..

Fingerfertigkeit kein Zufall Fingerfertigkeit und Gefühl für Lanschaftsgestaltung sind bei Weidinger - sei 1975 ein Sulzberger - kein Zufall: In seinem Hobbyraum fährt eine große Modelleisenbahn. Das Technische sei nicht so wichtig, dafür die Flusslandschaft mit Fachwerkhäusern und einem Schloss, alles Marke Eigenbau. Seiner Frau Christa ist Weidinger dankbar, dass sie bei seinen Modell-Bauten immer ein Auge zudrückt. . Dafür hütet er auch gerne mal bei Tochter Susanne die beiden Enkelkinder Anna und Jonas. Oder der Aquarell-Maler verwöhnt seine Frau als Koch - mit einer großen Liebe zur italienischen Küche. Spaß macht dem Mann im Unruhestand zudem das Bogenschießen in Untergassen. Den Bogen hat er über einen Kurs beim Allgäuer Burgenverein selbst gebastelt und mittlerweile befasst sich Weidinger auch mit Techniken wie Weben, Filzen und Schmieden.

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