Wiggensbach
«Für arme Kinder kann man mal kalte Füße kriegen»

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Königliche Gaben hatten die «Heiligen drei Könige» bei sich, als sie dem Stern folgten und dann dem Jesuskind in der Krippe huldigten: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Zumindest den Weihrauch haben auch die elf Sternsingergruppen in Wiggensbach bei sich, wenn sie sich ab heute, Samstag, auf den Weg von Haus zu Haus machen und mit Kreide an die Türbalken «20 CMB 10»schreiben - «Christus möge dieses Haus segnen».

Es ist ein schöner, christlicher Brauch, den sich die Leute gerne gefallen lassen. Und jedes Jahr kommen durch die Sternsingeraktionen alleine im Oberallgäu in den Gemeinden viele Tausend Euro zusammen. Gesammelt wird für die Ärmsten. Die Aktion steht unter dem Motto «Kinder helfen Kindern». Dieses Jahr geht die Hilfe in den Senegal.

Im Kolpingheim in Wiggensbach lauschen die jüngeren der rund 50 Sternsinger einem Videofilm, den Gemeindereferentin Heidi Ried in den Rekorder gelegt hat. Die Kinder verfolgen den Filmbericht über den Senegal aufmerksam. Aber, warum engagieren sich die Ministranten als Sternsinger?

«Es macht einfach Spaß», sagt der elfjährige Christian Zeller. Letztes Jahr habe er pausieren müssen, denn bei über 120 Ministranten in Wiggensbach und Ermengerst komme nicht jeder jedes Jahr zum Zug. Das Verkleiden mache ihm Spaß. Den Melchior wird er dieses Jahr verkörpern. Seinen Text muss er aber erst noch lernen.

«Ich möchte armen Kindern helfen.» Dieses Argument fürs Mitmachen nennen alle Befragten, auch Michael Martin (11). Der Ministrant hat noch nie schlechte Erfahrungen beim Sammeln für arme Kinder gemacht. «Nein, die Tür hat uns noch niemand vor der Nase zugeschlagen.» Im Gegenteil. Die Leute seien großzügig.

«Letztes Jahr ist uns ein Mann sogar hinterhergesprungen und hat gefragt, ob wir einen großen Schein auch wechseln können,» erzählt Anja Sing (11). Sie erinnert sich zudem an kalte Füße durch das stundenlange Laufen bei Eiseskälte von Haus zu Haus. «Bei einer Mutter gab es dann was zu essen und sie hat uns allen ein heißes Fußbad gemacht, das war richtig nett», lächelt das Mädchen, sinniert kurz und sagt: «Für arme Kinder kann man auch mal kalte Füße kriegen.»

Klar, meine Eltern finden es auch gut, dass ich da mitmache,» sagt Marlene Jörg (12). Und ihre Freundin Teresa Mayr (12) fügt an: «Wenn man Ministrantin ist, ist immer was los, man sitzt nicht so faul daheim herum.» Wenn die Sternsinger-Kinder Trinkgeld für sich bekommen, dann stecken sie es auch in die große Kasse. Marlene und Teresa: «Wir wollen ja für arme Kinder Gutes tun und nicht für uns.

Uns geht es ja gut.» Das sei nicht selbstverständlich. Im Film, der im Kolpinghaus läuft, erfahren die Kinder, dass fließendes Wasser in senegalesischen Häusern eine Seltenheit ist und dass nicht alle Kinder zur Schule gehen dürfen.

Pfarrer Gebhard Gomm: «Für mich ist es auch wichtig, dass die Buben und Mädchen mit der Not in anderen Ländern konfrontiert werden - und ein bisschen Weltkirche erleben.»

Als sichtbares Zeichen bleibt an der Tür «20 CMB 10» und manchem vielleicht der Schlusssatz der Wiggensbacher Sternsinger im Ohr: «Wir ziehn nun weiter. Doch der Segen wird wie der Stern stets bei euch sein. Das ganz Jahr - tagaus, tagein.»

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