Fünftonner reißt Bahnschranke ein

Kaufbeuren/Dillishausen(ses). - 'Ich habe den Unfall in Kauf genommen, bevor ich mitten auf den Schienen stehen bleibe', erklärte ein 35-jähriger Bauunternehmer vor dem Amtsgericht Kaufbeuren in Anlehnung an die Anklageschrift. Dem Geschäftsmann aus einer Gemeinde bei Kaufbeuren wurde vorgeworfen, im Mai 2003 mit seinem Lastzug trotz Rotlicht den Bahnübergang in Dillishausen überquert zu haben, wobei er die Schrankenanlage zerstört haben soll. Er wurde freigesprochen. 'Es bestand keine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer', so der Richter. Der Bauunternehmer war mit seinem Lastzug samt geladenem Bagger auf dem Nachhauseweg und musste den beschrankten Bahnübergang in Dillishausen überqueren. Dort sei er auf 'seltsame Geräusche' und seinen 'wackelnden Lkw' aufmerksam geworden - die Gleise gaben unter dem Gewicht des Lkw nach. Er habe kurz angehalten, um nach der Ursache zu sehen: 'Als ich weiterfuhr, sah ich im Rückspiegel, wie sich die Schranken schlossen.' Zu diesem Zeitpunkt stand der Lastzug noch auf dem Bahnübergang. In der Anklageschrift wurde dem Mann vorgeworfen, er habe den Schienenverkehr fahrlässig gefährdet, da der Lokführer des Regionalexpresses Augsburg-Buchloe abbremsen musste und die weiteren Verkehrsteilnehmer nicht mehr vor dem herannahenden Zug hätten gewarnt werden können. Bei der Zeugenvernehmung sprachen die Indizien jedoch für den Mann.

Der Lokführer bestätigte zwar die Bremsung, sagte aber aus, das Tempo an dieser Stelle wegen des folgenden Einfahrtsignals in den Buchloer Bahnhof bei jeder Fahrt ohnehin reduzieren zu müssen. Auch die zuständige Beamtin des Bundesgrenzschutzes bestätigte, der Zugführer habe keine Schnellbremsung einleiten müssen. Zudem sprach die Polizistin von einem 'schlechten Zustand des Schienenstranges'. Ein 63-jähriger Landwirt und Anlieger sagte, die Schranke schließe ohne lange Orangephase der Ampelanlage. 'Er hat mit dem Bagger die Schranke erwischt, konnte aber nicht beschleunigen, da vor ihm ein Radler fuhr', so der Zeuge. Auch sei das Gleis seit Jahren defekt. 'Wenn ein Lkw die Schienen überquert, senken sich die Gleise fast um zehn Zentimeter.' Ein Bahnbeamter bestätigte: 'Der Übergang war in keinem guten Zustand.' Auch die Staatsanwältin forderte einen Freispruch. Es handle sich um Sachbeschädigung 'mit bedingtem Vorsatz'. Der Angeklagte habe keine andere Wahl gehabt, als den Übergang frei zu machen. Die beschädigten Gleise hätten ihn gezwungen, mit dem Fünftonner anzuhalten. Ob die Ampel da schon auf Rot stand, konnte nicht nachgewiesen werden.

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