Freispruch trotz anderer Überzeugung des Schöffengerichts

Kaufbeuren | bbm | Die Verdachtsmomente waren erheblich, reichten aber letztlich nicht für eine Verurteilung aus. Zwar stand in einem Schöffengerichts-Prozess wegen schwerer Brandstiftung fest, dass der 22-jährige Angeklagte im Januar 2007 in einem Neugablonzer Wohnblock Streit mit einem Spezl hatte und dass nach seinem Verschwinden an der Wohnungstür ein Feuer gelegt wurde, das über 5000 Euro Sachschaden verursachte. Außerdem wurden am Tatort verschmorte Plastikteile eines Autospiegels gefunden, den der Abgeklagte in der fraglichen Nacht abgeschlagen und vor die Eingangstür des Wohnblocks gekickt hatte. Weil es aber keinen eindeutigen Beweis für eine Anwesenheit des jungen Mannes im Treppenhaus gab und sich auch an seiner Kleidung keine Spuren fanden, wurde er gemäß dem Rechtsgrundsatz ' Im Zweifel für den Angeklagten' freigesprochen.

Allerdings machte ihm der vorsitzende Richter im Urteil klar, dass das Gericht seine Schuld für ziemlich wahrscheinlich hielt. Wörtlich sagte er: 'Wenn wir wetten könnten, würde dieses Gericht deutliche Summen darauf setzen, dass Sie es waren.'

Stein verhindert Schlimmeres

Der Brand war seinerzeit durch Rauchgeruch entdeckt worden. Die Flammen hatten bereits auf den hölzernen Türrahmen übergegriffen. Dem Wohnungsinhaber gelang es, das Feuer mit einer Decke zu ersticken. Nach Einschätzung eines Ermittlers hatte damals nur deshalb keine Gefahr einer Ausweitung des Feuers bestanden, weil das Treppenhaus aus Stein und Beton war. Bei einem hölzernen Treppenhaus, so der Richter, 'hätte es anders ausgeschaut.'

Der Angeklagte war seinerzeit offenbar mit Verzögerung ins Visier der Ermittler gekommen. Seine Freunde, die in der fraglichen Nacht mit ihm den Geburtstag des Wohnungsinhabers gefeiert hatten, verschwiegen nämlich in ersten Aussagen, dass es vor dem Brand einen Streit gegeben hatte. Wie sie dann später bei der Polizei und jetzt auch vor Gericht einräumten, befürchteten sie mehrheitlich, dass ihr Freund das Feuer gelegt haben könnte. Er sei aus nichtigem Anlass mit einem Partygast aneinander geraten und habe die Wohnung Türen schlagend verlassen, nachdem er zuvor vor Wut in sein Handy gebissen habe.

Im Eingangsbereich des Wohnblocks riss der junge Mann dann offenbar noch eine Infotafel herunter und richtete ein paar Straßen weiter seine Aggressionen gegen ein geparktes Auto. Er schlug laut eigenem Geständnis einen Außenspiegel ab und kickte diesen zurück zum Wohnblock. Dann läutete er bei seinem Spezl erfolglos Sturm. Ein belastendes Indiz, das aber letztlich nicht für eine Verurteilung ausreichte, waren verschmorte Plastik-Überreste des abgeschlagenen Autospiegels im Brandschutt. Für die Spiegel-Attacke wurde der Angeklagte jetzt wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt.

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