Fliegende Späne und gefräßige Käfer

Von Veronika Krull Oberallgäu Heinrich Schwarz, seines Zeichens Bezirksjagdmeister, brauchte erst gar keinen prüfenden Blick in den überraschend blauen Himmel zu werfen. Als Berufsjäger mit der Natur auf du und du, wusste er auch so: Das Wetter bleibt! Nach teils heftigen Regenschauern in der Früh verzogen sich gestern rechtzeitig zum Start des Oberallgäuer Waldtages 2004 die Wolken, und prompt pilgerten ganze Heerscharen mit Kind und Kegel hinauf zur Fallenberghütte im Großen Wald zwischen Kranzegg und Wertach. Wer sich beizeiten auf die Socken gemacht hatte, der konnte auf dem Festplatz am Waldgottesdienst teilnehmen, den Diakon Norbert Oeing ungeachtet der (noch) grauen Wolken und eines kühlen Lüftchens im Freien feiern ließ. Danach hieß es Waldbühne frei für allerlei Ausstellungen und Aktionen. Der Grill wurde angeworfen, die ersten Wurstsemmeln verkauft, und die Bundeswehr, ebenfalls mit einem Stand vertreten, stellte die Bierbänke auf. Auf den Sonntagsbraten musste zur Mittagszeit ebenfalls niemand verzichten: Neben einem Hirschgulasch wurde auch ein gebeizter Hirschbraten in Rotweinsauce angeboten. Uiih, die leben ja, war die elfjährige Sarah aus Sonthofen etwas erschrocken, als sie am Info-Stand über Waldschädlinge in einen Lupenbecher schaute. Dort konnten Buchdrucker und Kupferstecher mal genauer betrachtet werden.

Ihre ausgestellten Werke nebenan kunstvoll ausgehöhlte Rindenstücke machten auch dem Laien schnell klar, weshalb die unscheinbaren braunen Borkenkäferchen solch stolze Namen tragen. Nebenan sagten sich gar Fuchs und Habicht gute Nacht: Das Forstamt Sonthofen zeigte (ausgestopfte) Tiere aus dem Großen Wald, vom Auerhahn bis zum Wiesel, sowie mächtige Geweihe von mindestens zehn Jahre alten Platzhirschen. Am Bienenstand klärte Fritz Binser, Chef des Imkervereins Wertach, wissbegierige Besucher über die Beschaffenheit von Waldhonig auf: Läuse, die in der Fichte sitzen, saugen den Saft aus der Rinde und sondern dann süße Tropfen ab, die wiederum den Bienen schmecken. Unterhalb des Festplatzes traten dann die Holzer in Aktion. Forstwirtschaftsmeister Michael Karg demonstrierte das so genannte Zielfällen, eine Holzvollernte-Maschine wurde ebenso angeworfen wie ein Brennholzhacker, und Waldarbeiter bauten einen Brunnen aus Weißtanne, dass die Späne flogen. Sogar die Bergwacht musste eingreifen und einen verletzten Baumfäller bergen. Wer Lust hatte, konnte auch an einer der Exkursionen teilnehmen zur Waldklimastation, ins Moor oder zu Wertachs Quellen. Die Kinder konnten es natürlich kaum abwarten, die Pferdekutsche zu besteigen und sich zum Abenteuerspielplatz hinunterfahren zu lassen. Dort durften sie den Traum vom eigenen Haus verwirklichen und eine Blockhütte bauen oder mit dem Förster in den Wald marschieren und sich über Flora und Fauna wundern. Und zwischendurch auf der Riesenschaukel oder in der hölzernen Eisenbahn die Eindrücke sortieren

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