Marktoberdorf
Fernwärme heizt schon 63 Gebäude ein

«Wir haben unser ehrgeiziges Ziel erreicht.» Angelika Reichelt, Geschäftsführerin der Fernwärmegenossenschaft Marktoberdorf, strahlte - und mit ihr etliche Privatleute, Geschäftsinhaber und Schüler. Sie haben es in diesen kühlen Tagen nicht nur angenehm warm, sondern brauchen sich um die Ölversorgung nicht zu kümmern. Sie beziehen Fernwärme.

Wie das Projekt funktioniert, darüber informierten sich Nutzer und neue Interessenten bei einem Rundgang durch die Futtertrocknungsanlage bei Geisenhofen. In riesigen Bunkern werden die Hackschnitzel aus der Region gelagert und dem Brennofen zugeführt. Den Blick durch ein kleines Fenster in dessen flammendes Inneres wollte sich niemand entgehen lassen. Rund 1000 Grad heiß ist es darin. Über eine ausgeklügelte Anlage wird eine Turbine angetrieben, die wiederum Strom erzeugt. Die Abwärme wird genutzt, um das Wasser für die Fernwärmeleitung zu erhitzen.

Vorrang auch in den Sommermonaten

Mit der Lieferung haperte es zunächst, räumten Reichelt und Karl Engert, Geschäftsführer der Futtertrocknungsgenossenschaft Ruderatshofen, ein. Der Grund lag in der Hauptsache in einem Softwarefehler. Daher musste in der Anfangszeit - das Netz ging im Oktober in Betrieb - über die Versorgungsstation an der Hauptschule zugeheizt werden. «Das machte aber nur ein Prozent aus», relativierte Reichelt. Andere gleichartige Unternehmen hätten manchmal jahrelang gegen Kinderkrankheiten gekämpft. Inzwischen funktioniere alles. In diesem Jahr soll das vier Kilometer lange Netz um etwa eineinhalb Kilometer erweitert werden (siehe Grafik).

Mit 63 Anschlüssen sei das Projekt erfolgreich angelaufen, bilanzierte die Geschäftsführerin. In den ersten Monaten habe die Genossenschaft 1500 Megawattstunden Wärme verkauft. Umgerechnet bedeute dies eine Einsparung von 150000 Litern Heizöl und 450 Tonnen CO2. Die Investitionskosten beliefen sich bisher auf 2,7 Millionen Euro.

Bis zu 90 Grad warm kommt das Wasser in die Röhren

An der Übergabestelle am Heizhaus von AGCO/Fendt wird das Wasser mit einer Temperatur von 80 bis 90 Grad Celsius - je nach Witterung - in die Röhren geleitet. Im Sommer wie im Winter. Die Software sei so programmiert, dass die Versorgung mit Fernwärme auch im Sommer, wenn die Futtertrocknung das Grüngut verarbeitet, Vorrang genieße, erläuterte Engert.

Sicher, dass der Nachschub aus der Region kommt

Rund 40000 Tonnen Hackschnitzel verschlang die Anlage im vergangenen Jahr. Dass der Nachschub aus der Region ausgeht, bezweifelte Engert. Laut einer Studie werde im Allgäu erst die Hälfte derjenigen Menge an Hackschnitzel genutzt, die von Natur aus zur Verfügung steht. Harald Husel von der Forstbetriebsgemeinschaft bestätigte dies. Um Spitzenlasten abzudecken, wolle die Stadt zudem einen Energiewald aus schnell wachsenen Pappeln anlegen (wir berichteten).

Im Moment spielt der relativ günstige Ölpreis der Genossenschaft nicht in die Hände. «Das ändert sich aber bald», waren sich alle sicher.

www.fernwaerme-marktoberdorf.de

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