Marktoberdorf / Ostallgäu
Fendt verlängert die Weihnachtspause

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Ein Großteil der Fendtler in Marktoberdorf und Bäumenheim tritt heuer verlängerte Weihnachtsferien an. Erster Produktionstag 2010 soll erst am 1.Februar sein. Der Auftragseingang ist zu gering, um im Januar effektiv zu produzieren. Peter-Josef Paffen, Sprecher der AGCO/Fendt-Geschäftsführung, erwartet 2010 ein sehr schwieriges Jahr, bei dem der Traktorenhersteller sehr flexibel auf den Markt reagieren will.

Betriebsratsvorsitzende Monika Hoffmann ist über die Entwicklung nicht erfreut, sie kann die Gründe aber nachvollziehen. Die Kurzarbeit könne pro Monat wegen fehlender Schichtzuschläge zwischen 400 und 600 Euro weniger auf dem Lohnzettel von Mitarbeitern in der Produktion bedeuten. Froh ist sie, dass ein Ergänzungstarifvertrag die Stammbelegschaft schützt und rund 70 Leiharbeitern und 30 befristet Beschäftigten eine Kündigung erspart bleibt.

Als Hintergrund der schlechten Auftragslage sieht Fendt die Wirtschaftskrise, die durch niedrige Milch- und Getreidepreise den Agrarmarkt mit Verzögerung, aber umso heftiger getroffen hat.

Nach 2008, mit 15428 Schleppern ein positives «Ausnahmejahr», gilt 2009 als ziemlich verrücktes Jahr: Im ersten Halbjahr waren die Auftragsbücher so gut gefüllt, dass Paffen noch 15500 Traktoren als Ziel fürs ganze Jahr ausgab. Dann brachen die Aufträge in der gesamten Branche weg. Mehrfach wurde nach unten korrigiert. Nun steht fest: Bis Weihnachten verlassen 13750 Zugmaschinen das Werk - immer noch mehr als 2007 (13312 Schlepper), dem bisher zweitbesten Jahr in der Firmengeschichte. Für 2010 hat Fendt das Produktionsziel vorsorglich auf 12500 Einheiten heruntergeschraubt. «Das ist immer noch eine ordentliche Zahl», umschreibt Paffen das «realistisch, pessimistische Planungsprozedere». Wie 2010 wirklich läuft, mag niemand prognostizieren. Fest steht nur: Fendt wird die Produktion sehr stark am Markt orientieren.

Den Mitarbeitern verlangt dies - in Abstimmung mit dem Betriebsrat - viel Flexibilität ab. Denn steigen die Aufträge, werden kurzfristig höhere Stückzahlen produziert; sinken die Zahlen, gibt es Kurzarbeit. Die hat das Unternehmen vorsorglich für bis zu zwei Jahre angemeldet.

Im Gespräch mit Paffen wird deutlich, dass die Flaute bis zu zwei Jahre dauern könne. Ihr versucht das Management auch dadurch zu begegnen, dass in Vertrieb, Marketing und Entwicklung keine Kurzarbeit stattfinde. In der Entwicklung könnten projektbezogen sogar neue Mitarbeiter nötig werden.

Experten abseits der Straße

Verstärkt erschließen will Fendt ein weiteres Marktsegment: Nach langer Pause stellt das Unternehmen wieder auf Baumaschinenmessen aus. Denn beispielsweise beim Transport von Hackschnitzeln aus dem Wald zum Heizwerk seien Großschlepper dem Lkw überlegen: «Offroad sind wir die Experten, onroad akzeptabel», preist Paffen die Einsatzmöglichkeiten. Auch auf immer mehr Baustellen seien Schlepper im Einsatz. In diesem Segment seien in einigen Jahren Absätze von bis zu 1000 Stück pro Jahr denkbar.

Festhalten will Fendt an den Investitionen in Marktoberdorf und Bäumenheim. Da die alte Halle nicht mehr modernisiert werde, lasse sich die neue Montagehalle nicht unbegrenzt schieben. Im ersten Halbjahr, so Paffen, entscheide sich, ob die Halle wie geplant gebaut wird, oder ob man abspeckt.

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