Kempten
Feinsinnig und anrührend

Ein Konzert mit ungewöhnlicher Programmgestaltung und hoher Aufführungsqualität gaben die Kantorei und das «collegium musicum kempten» unter der Gesamtleitung von Frank Müller in der St-Mang-Kirche in Kempten. Das Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy ist ein Paradestück für Violinsolisten. Das facettenreiche Werk stellt in allen drei Sätzen hohe Anforderungen. Vom empfindsam-elegischen Kopfsatz über den liedhaften Mittelsatz bis zum «Sturmlauf» des Schlusssatzes ist alles drin. Das collegium musicum hat dabei seine langjährige Konzertmeisterin, Susanne Schütz, als Solistin glänzend begleitet.

Das dezente, aufmerksame Spiel des Orchesters bot der Solistin beste Gelegenheit, sich zu präsentieren. Ihre emotionale, nicht ins Sentimentale abgleitende Interpretation des hochromantischen Werkes war beeindruckend. Virtuosität ist bei Schütz nicht Selbstzweck, sondern steht im Dienste einer feinsinnigen Interpretation.

Reichlich vorhandene Klippen

Kirchenmusikdirektor Müller führte den Chor und das Orchester über die reichlich vorhandenen Klippen der «Messa di Gloria» von Giacomo Puccini (1858 bis 1924). Sein souveränes, präzises Dirigat trug zum Gelingen viel bei. Das Frühwerk Puccinis ist durchaus anspruchsvoll. Manche mögen es als eklektizistisch bezeichnen, weil die Zuhörer erinnert werden an Verdi, an massive Wagner-Schlüsse oder an Händel, etwa bei den Chorfugen.

Auf jeden Fall bediente sich der junge Komponist souverän der klassischen musikalischen Formen.

Prachtvoller Gloria-Gesang

Der Chor war insgesamt präzise bei den Einsätzen und sang mit gepflegter Dynamik und großer Transparenz. Dem noch etwas zaghaften Einsatz beim (namensgebenden) «Gloria» folgte ein prachtvoller Gloria-Gesang in strahlendem C-Dur. Die Ausarbeitung der eindrucksvollen großen Chorfuge «Cum sancto spiritu» mit ihrem grandiosen Stretto-Finale gelang ausgesprochen gut.

Aber auch die anderen Teile der Messe wurden schön gestaltet und stilsicher wiedergegeben. Das «Et resurrexit» oder das frohe «Et vitam venturi saeculi» aus dem «Credo» sind nur zwei Beispiele dafür.

Die Solo-Partien waren mit Bernhard Schneider (Tenor) und Christian Hilz (Bass) hervorragend besetzt. Schneider überzeugte mit dem «Gratias agimus tibi» im Bel-Canto-Stil und mit dem anrührenden «Et incarnatus est», bei dem auch die Abstimmung mit dem Chor ausgezeichnet gelang. Nicht weniger überzeugend war Hilz als Bass, etwa beim düsteren, an Verdi erinnernden «Cruzifixus».

Die Freude der Musizierenden an beiden Werken war unverkennbar, und das Publikum in der voll besetzten St.-Mang-Kirche applaudierte begeistert.

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