Sonthofen / Oberallgäu
Feiner Herr beschafft sich Kinderpornos

Der Herr auf der Anklagebank - vornehme Erscheinung, dunkler Anzug und dezente Krawatte - schämte sich vor Richterin Brigitte Gramatte-Dresse in Grund und Boden. Dabei war es widerlichster Abschaum, der den verheirateten Pensionär vor die Schranken des Amtsgerichts brachte. Wegen des Besitzes mehrerer kinderpornografischer Computer-Dateien und Filme schmutzigsten Inhalts wurde der bisher unbescholtene Mann zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Gleichzeitig muss der Angeklagte eine Geldbuße von 6000 Euro entrichten, unter anderem an den Kinderschutzbund.

«Wenn das Leute nicht mehr anschauen würden, würde es auch nicht mehr produziert», empörte sich die Richterin gleichermaßen über Nutznießer und Urheber eines derartigen Missbrauches von Kindern, wie es ihr in diesem speziellen Fall bekannt wurde, übrigens der zweite Fall innerhalb weniger Wochen im südlichen Oberallgäu. «Ich komme mir schäbig vor», beugte der Angeklagte sein Haupt. Das Urteil nahm er, ohne groß nachzudenken, sofort an, sodass es mit dem Einverständnis der Staatsanwältin auch rechtskräftig geworden ist.

Internet-Recherchen des Landeskriminalamts hatten den Kinderporno-Sammler auffliegen lassen. Eine nachfolgende Hausdurchsuchung brachte alles ans Tageslicht.

Er war an einer Tauschbörse beteiligt, bei der kriminelle Szenen heruntergeladen und zugleich weiterverbreitet werden, dessen Darstellung sich in einer Zeitung verbietet.

Stundenlang im Internet gesurft

Vor Gericht erklärte der zerknirscht wirkende Mann, dass er bei stundenlangem Surfen im Internet zufällig auf die Schweinereien gestoßen sei, was ihm weder die Staatsanwältin noch die Richterin abnahm. Allein schon die Titel des Download-Verzeichnisses mit eindeutigen Bezeichnungen hätten einen unschuldigen Internet-Nutzer abschrecken müssen, befanden Staatsanwältin und Richterin übereinstimmend. Ein Kriminalbeamter als Zeuge bestätigte diese Einschätzung.

«Das war eine Riesensauerei von mir», erklärte der Angeklagte in seinem Schlusswort. Einen Computer wolle er nicht mehr anrühren, versuchte er, seine manische Fernseh- und Computersucht nach der Pensionierung darzulegen. Eine verhängte Geldstrafe über den reuigen Sünder war nicht möglich. Wer in das Fahndungsraster der Kinderpornografie gerät, riskiert eine Freiheitsstrafe als Mindestreaktion der Staatsgewalt.

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