Füssen
«Fahrts langsam, es pressiert»

«I weiß nix», wehrt der ehemalige Kommandant Walter Kroiß ab. Doch tatsächlich weiß er viel über seine 60 Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr Füssen. Schon vor dem Krieg und seiner Einberufung als 17-Jähriger 1940 hatte der Hitlerjunge ein Jahr lang mitgearbeitet. Sein damaliger Freund Kaspar Winkler «hat mich dazu bracht. Damals gab es noch keine Ausbildungspläne wie heute, wir wurden bei einem Fahrzeug eingewiesen und nach und nach weiter ausgebildet». Einen Ausbildungsplan gab es erst Mitte der 1960er Jahre, quasi zu Beginn seiner Amtszeit. Mit ihm wurden die Grundausbildung sowie die Leistungsprüfungen in Füssen eingeführt. «Wir hatten keinen Unterrichtsraum und übten zunächst das Schlauchkuppeln. Wie ich zur Feuerwehr gekommen bin, hatten wir ein Mal im Monat eine Übung. Seit meiner Zeit als Kommandant wurde jeden Mittwoch eine Übung angesetzt, dazu kamen viele zusätzliche Termine für spezielle Lehrgänge.»

Mitte der 80er Jahre zum Beispiel folgten die Atemschutzlehrgänge mit den «Heeresatmer» genannten Kreislaufatmern. Heute werden moderne Pressluftatmer eingesetzt. Es kamen Chemikalien-Schutzanzüge auf den Markt und viele weitere Spezialausrüstung, von der zum Beispiel die Asbesthaube bald wieder verworfen wurde.

Klar erkannt hatte Kommandant Kroiß, der kürzlich für seine 60-jährige Zugehörigkeit zur Feuerwehr geehrt wurde (wir berichteten), wie entscheidend beim Einsatz der Zeitfaktor ist. «1966 war es so, dass jedes Feuerwehrmitglied in der Altstadt zu Hause eine Glocke installiert hatte.» Ausgelöst wurde der Alarm durch Kurbeln des sogenannten Induktors in der Wache der Stadtpolizei im heutigen Bürgerbüro im Rathaus. Parallel wurde Sirenenalarm gegeben.

Im Jahr 1963 wurde auf Funk umgestellt. Die Funkgeräte der ersten Generation waren wahre Ungetüme. In den 1980er Jahren war dann Füssen die erste Kommune in Bayern, die per Piepser alarmierte. «Das war das Verdienst unseres Jubilars, der die Entwicklung hartnäckig vorangetrieben hat», lobt Kommandant Heinz Weller.

«Schlimme Einsätze waren für mich immer die mit Personenschäden bei schweren Unfällen», sagt Kroiß. Erst in den 1970er Jahren kamen die Rettungsscheren auf, die heute zur Standardausrüstung gehören. Bis dahin wurde mit Brecheisen gearbeitet. Lange Zeit hatten am Sonntagnachmittag vier Mann Wache im Feuerwehrhaus. So war bei einem Alarm schon ein Auto einsatzbereit. Für Kroiß ist die Feuerwache noch immer ein vertrauter Ort, auch wenn er 1984 seinen aktiven Dienst aus Altersgründen quittieren musste.

Er trifft sich gerne mittwochs mit seinen «Feuerwehr-Rentnern» zum Hoigarte. Und dann erzählen sie auch immer wieder von seinem schönsten Erlebnis, «dem Feuerwehr-Ausflug nach Rüdesheim» und amüsieren sich bis heute über seinen Lieblingsspruch «Fahrts langsam, es pressiert».

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