Fahrende Träume wecken in vielen Zuschauern Sehnsüchte

Von Andreas Filke, Oberthingau Es gibt Träume, die alleinig der eigenen Vorstellungskraft entspringen. Und dann gibt es Träume, die sich wenigstens einmal anfassen lassen, auch wenn sie für die meisten unerschwinglich und damit ewig ein Traum bleiben werden. Dieses Erlebnis hatten am Samstag viele Interessierte, die in Oberthingau eine Oldtimer-Schau genossen. Es war der Allgemeine Schnauferl-Club Bayern, der dieses Ereignis möglich werden ließ. Seine traditionelle Ausfahrt führte diesmal unter anderem ins Ostallgäu. Bei der Firma Schoder galt es, Station einzulegen und Prüfungen zu bestehen. Die waren für die vielen Zuschauer natürlich Nebensache. Ihr Blick galt einzig und allein den Autos, bei deren Markennamen die Fans schon mit der Zunge schnalzen: Ferrari, Bentley, Jaguar, MG, Porsche, Mercedes, Aston Martin, BMW. Doch nicht nur die Autos, sondern auch einige Teilnehmer hatten in Fachkreisen klangvolle Namen. Hubert Winklhofer war einer von ihnen. Er ist der Enkel von Johann Baptist Winklhofer, der mit einem Kompagnon zunächst ein Zweiradwerk und später dann die Wanderer Automobilwerke ins Leben gerufen hat. Allerdings hatte der Nachfahre gleich mehrfach Pech. Bei der Anfahrt erlitt sein betagter Wanderer einen Schaden an der Achse und sein Ersatzfahrzeug kam fast auf einem Plattfuß nach Oberthingau gerollt. Blickfang und ältestes Modell aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts war auch ein BMW Dixi, zu damaliger Zeit für Personen mit schmalerem Geldbeutel konzipiert.

Wesentlich tiefer musste man da schon für einen Lagonda oder einen Mercedes 300 SL mit Flügeltüren in die Tasche greifen. Diese beiden Autos waren am Samstag gleichsam die 'Stars' unter den Veteranen und stets dicht umlagert. Dabei seien die Modelle, so deren Besitzer, durchaus noch alltagstauglich. Allein der Lagonda LG 45 Rapid aus dem Jahr 1936, von dem weltweit nur 24 Exemplare existieren, soll seinen Eigentümer Michael Bernecker demnächst auf eigener Achse durch die baltischen Staaten bis nach Moskau bringen. Rund 11500 Kilometer liegen da vor ihm. Im September gehe es dann in die Vereinigten Arabischen Emirate, wobei die Anreise dann mit dem Schiff erfolgen soll. Der Mercedes wiederum sei gern gesehener Gast bei historischen Autorennen. Dann verbraucht der Flügeltürer gern bis zu 17 Liter Benzin, 'so richtig bei Vollgas'. Nur gut, dass die Konstrukteure den Wagen damals mit einem 130-Liter-Tank ausgerüstet haben. Preiswert sind solche Schmuckstücke nicht. Einige, die in Oberthingau zu sehen waren, halten locker mit den Kosten für ein schönes Einfamilienhaus samt Grundstück mit. Wobei ein eingefleischter Oldiefan ohnehin nicht nach dem Wert seines Fahrzeugs gefragt werden will. Für ihn ist es ein Hobby, da schaut man eben nicht aufs Geld. 'Wir sind halt alle ein bisschen Spinner', räumt der Besitzer eines BMW 315 von 1935 ein, 'aber wir stehen wenigstens dazu'. Sprach's, ließ den Starter an und absolvierte das nächste Teilstück der Sommerausfahrt, die Wolfgang Kempf aus Görisried organisiert hatte.

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