ESVK: Zankapfel Finanzpolitik

Von Christopher Hecker, Kaufbeuren - In den vergangenen Wochen haben die vorstandsinternen, persönlichen Querelen beim Eishockey-Zweitligisten ESV Kaufbeuren immer öfter die Sach- und Fachthemen zur Randerscheinung verkommen lassen. Im AZ-Interview stellen ESVK-Präsident Bernhard Pohl, der mit Beisitzer Kurt Dollhofer in einem Boot sitzt, und der Zweite Vorsitzende Heinz Nell, der gemeinsam mit Schatzmeister Peter Schimkat und Beisitzer Winfried Kucis die Opposition bildet, vor der ordentlichen Mitgliederversammlung am Freitag ihre Konzepte vor. Neben sportlichen, wirtschaftlichen und personellen Aspekten beziehen beide ESVK-Vorstandsmitglieder auch zum entstandenen Imageschaden des Traditionsklubs Stellung. Wie sieht Ihre sportliche Planung, insbesondere in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Trainer Fabian Dahlem, aus? Bernhard Pohl: Trainer und Vorstand werden in enger Abstimmung und im Rahmen des vorgegebenen Budgets die noch freien Positionen im Team nach und nach besetzen. Zukünftig sollen die erste Mannschaft und der Nachwuchs noch stärker miteinander verzahnt werden. Hier wird eine intensive Zusammenarbeit insbesondere mit den Trainern der Juniorenmannschaft erforderlich sein.

Saisonziel: Klassenerhalt Heinz Nell: Grundsätzlich wird sich auch in der nächsten Spielzeit am Saisonziel 'Klassenerhalt' nichts ändern. Aufgrund der guten Zusammenarbeit mit unserem engagierten Trainer Fabian Dahlem, dessen guten Kontakten und dem Ehrgeiz, für die kommende Saison eine Mannschaft mit Charakter und Willensstärke zu formen, kann auch das Erreichen eines Play-Off-Platzes möglich sein. Wie sieht Ihr wirtschaftliches Konzept aus, um die finanziellen Probleme beim ESVK wieder in den Griff zu bekommen? Pohl: In den neun Jahren meiner Vorstandstätigkeit haben wir die erheblichen Altschulden um beinahe 50 Prozent abgebaut. Eine Alternative zu einer langfristigen, schrittweisen Entschuldung des Vereins sehe ich nicht. Ein Crash-Kurs wäre gegenüber den betroffenen Partnern des ESVK und der Öffentlichkeit unverantwortbar und würde das Eishockey in Kaufbeuren weit zurückwerfen.

Knappes Geld Nell: In den vergangenen fünf Jahren sind die kurzfristigen Verbindlichkeiten trotz sukzessiver Gesamtentschuldung stetig angewachsen, was immer häufiger zu Liquiditätsengpässen führte. Zur kurzfristigen Entschärfung muss neben der Fortführung der restriktiven Ausgabenpolitik künftig wesentlich offener und offensiver mit Sponsoren und Gläubigern umgegangen werden. Erste Gespräche verliefen hier durchaus positiv.

Abschluss von Verträgen Durch die Schlammschlacht der letzten Wochen wurde viel Porzellan zerbrochen. Wie kann dieser gewaltige Imageschaden für den ESVK wieder gut gemacht werden? Pohl: Es war und ist nicht mein Stil, Schlammschlachten zu führen. Stattdessen habe ich in den letzten Wochen durch Spielerverpflichtungen wie mit Buddy Smith und Patrick Yetman und Abschluss von Sponsorenverträgen wichtige Weichen für die neue Saison gestellt. Zukünftig müssen sämtliche Verantwortliche klare Regeln über die Außendarstellung des Clubs verbindlich vereinbaren und auch einhalten.

Hohes Ansehen Nell: Der ESVK genießt sicherlich nicht nur in der Eishockeyszene hohes Ansehen. Der durch die Negativschlagzeilen der letzten Wochen entstandene Schaden muss und kann sicher auch durch eine solide, demokratische und vor allem teamfähige Vereinspolitik wieder gut gemacht werden. Angenommen Ihre Fraktion setzt sich bei der Mitgliederversammlung durch: Wie soll es personell und in Bezug auf Sachthemen im ESVK-Vorstand künftig weitergehen? Pohl: Die Vorstandsarbeit wird ablaufen wie in den Jahren vor der Saison 2003/2004: Konstruktiv und vertrauensvoll. Wichtige Entscheidungen werden gemeinsam und mehrheitlich in Vorstandssitzungen entschieden. Anders als im vergangenen Jahr wird die klare Kompetenzverteilung auch umgesetzt.

Engagiertes Präsidium Nell: Trotz der verschiedenen möglichen Szenarien bei der Mitgliederversammlung wird ab dem 8. Mai ein handlungsfähiges und engagiertes Präsidium zur Verfügung stehen. Durch die äußerst kurzfristige Einberufung der Mitgliederversammlung - zwei geschäftsführende Vorstände erfuhren vom Termin aus der Tageszeitung - wurde die personelle Ergänzung des Vorstands erheblich erschwert. Bei den Sachthemen genießt zunächst einmal die Erlangung der Lizenz für die neue Saison absolute Priorität. Bernhard Pohl

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